Synopse

(5)
Samstag, 01 Dezember 1956    (    )

Chiron und Achill

Chiron, legt die Leier beiseite:
Ich glaube, ich habe dich jetzt alles gelehrt, was ich dich lehren kann.

02 Achill: Heisst das, dass du jetzt nicht mehr mit mir sprechen willst?

03 Chiron: Sicher nicht. Aber es ist nicht mehr nötig, so, wie es diese drei Jahre lang vielleicht nötig war.

04 Achill: Nein, erst jetzt fängt unser Gespräch an interessant zu werden, seit vierzehn Tagen, als du die Leier das erste Mal beiseite legtest.

05 Chiron: Nur die Leier konnte ich dich lehren. // 107 Daran hatte unser Gespräch Halt. Ohne bedürfte es eines Einsatzes, eines Aufwands von deiner und meiner Seite, von dem ich nicht weiss, ob du bereit bist, ihn zu leisten. Und ich glaube auch gar nicht, dass du ihn leisten sollst. Ich habe erreicht, was ich wollte, was ich erhoffen durfte: du brauchst mich nicht mehr.

06 Achill: Du willst mich verlassen?

07 Chiron: Und dabei bist du, genau genommen, der, welcher den Abschied will. Nur weil du jung und zutraulich bist und weil man dir viel von Dankbarkeit und Pietät und Freundestreue gesprochen hat, // 108 willst du es im Augenblick noch nicht zugeben. Aber das gibt sich schnell: Es ist genau umgekehrt: ich bin der, welcher dich bitten möchte, dessen Innerstes bittet, den Abschied aufzuschieben, mit mir noch weiterzuleben wie bisher.

08 Achill: Aber das will ich doch.

09 Chiron: Es ist nicht möglich, nachdem ich die Leier weggelegt habe. – Du schaust mich an?  Stört dich, dass ich ein Kentaur bin? (Er wendet sich zur Höhle.)

10 Achill: Du gehst?

11 Chiron ruft zurück: Behalte die Leier, ich schenke sie dir.

In: Notizbuch 1955-57
Dienstag, 04 Dezember 1956    (    )

Dialog (A)

01 Chiron, legt die Leier beiseite: Ich glaube, ich habe dich jetzt alles gelehrt, was ich dich lehren kann<.>

02 Achill: Heisst das, dass du jetzt nicht mehr mit mir sprechen willst?

03 Chiron: Das heisst es sicher nicht. Aber es ist nicht mehr nötig, sowie es diese drei Jahre lang vielleicht nötig war. 

04 Achill: Nein, erst jetzt fängt unser Gespräch an interessant zu werden, seit du vor vierzehn Tagen die Leier das erste Mal beiseite legtest. 

05 Chiron: Nur die Leier konnte ich dich lehren. Daran hatte unser Gespräch Halt. Ohne bedürfte es eines Aufwands von deiner und meiner Seite, von dem ich nicht weiss, ob du bereit bist, ihn zu leisten. Und ich glaube auch gar nicht, dass du ihn leisten sollst. Ich habe erreicht, was ich wollte, was ich erhoffen durfte; du brauchst mich nicht mehr. 

06 Achill: Du willst mich verlassen? 

07 Chiron: Und dabei bist du der, welcher den Abschied will. Nur weil du jung und zutraulich bist und weil man // 01v dir viel von Dankbarkeit und Treue gesprochen hat, willst du es im Augenblick nicht wahr haben. Aber das gibt sich schnell. Es ist genau umgekehrt: ich bin der, welcher dich bitten möchte, dessen Seele bittet, den Abschied aufzuschieben, mit mir weiterzuleben wie bisher. 

08 Achill: Aber das will ich doch! 

09 Chiron: Es ist nicht möglich, nachdem ich die Leier weggelegt habe. – Du schaust mich an, Achill! Stört dich, dass ich ein Kentaur bin

10 Er wendet sich zur Höhle. 

11 Achill: Du gehst? 

12 Chiron, ruft zurück: Behalte die Leier, ich schenke sie dir.

In: Manuskripte 1957
Dienstag, 26 März 1957    (    )

Dialog (B)

01 Chiron, legt die Leier beiseite: Ich glaube, ich habe dich jetzt alles gelehrt, was ich dich lehren kann. 

02 Achill: Heisst das, dass du jetzt nicht mehr mit mir sprechen willst? 

03 Chiron: Das heisst es sicher nicht. Aber es ist nicht mehr nötig, so wie es diese drei Jahre lang vielleicht nötig war. 

04 Achill: Nein, erst jetzt fängt unser Gespräch an interessant zu werden, seit du vor vierzehn Tagen das erste Mal die Leier weggelegt hast. 

05 Chiron: Nur die Leier konnte ich dich lehren. Daran hatte unser Gespräch Halt. Ohne bedürfte es eines Aufwands von deiner und meiner Seite, von dem ich nicht weiss, ob du bereit bist, ihn zu leisten. Und ich glaube auch gar nicht, dass du ihn leisten sollst. Ich habe erreicht, was ich wollte, was ich erhoffen durfte; du brauchst mich nicht mehr. // 03

06 Achill: Du willst mich verlassen? 

07 Chiron: Und dabei bist du der, welcher den Abschied will. Nur weil du jung und zutraulich bist und weil man dir viel von Dankbarkeit und Treue gesprochen hat, willst du es im Augenblick nicht wahr haben. Aber das gibt sich schnell. Es ist genau umgekehrt; ich bin der, welcher dich bitten möchte, dessen Seele bittet, den Abschied aufzuschieben, weiterzuleben mit mir wie bisher. 

08 Achill: Aber das will ich doch. 

09 Chiron: Es ist nicht möglich, nachdem ich die Leier weggelegt habe. – Du schaust mich an, Achill! Stört dich, dass ich ein Kentaur bin? 

10 Er wendet sich zur Höhle. 

11 Achill: Du gehst? 

12 Chiron, ruft zurück: Behalte die Leier, ich schenke sie dir.

In: Manuskripte 1957
Datiert: 1957    (    )

Chiron und Achill / Dialog

CHIRON, legt die Leier beiseite: Ich glaube, ich habe dich jetzt alles gelehrt, was ich dich lehren kann.

02 ACHILL: Heisst das, dass du jetzt nicht mehr mit mir sprechen willst?

03 CHIRON: Das heisst es nicht. Aber es ist nicht mehr nötig, so wie es diese drei Jahre lang vielleicht nötig war.

04 ACHILL: Nein, erst jetzt fängt unser Gespräch an interessant zu werden, seit du vor vierzehn Tagen das erste Mal die Leier weglegtest.

05 CHIRON: Nur die Leier konnte ich dich lehren. Daran hatte unser Gespräch Halt. Ohne bedürfte es eines Aufwands von deiner und meiner Seite, von dem ich nicht weiss, ob du bereit bist, ihn zu leisten. Und ich glaube auch gar nicht, dass du ihn leisten sollst. Ich habe erreicht, was ich wollte, was ich erhoffen durfte; du brauchst mich nicht mehr.

06 ACHILL: Du willst mich verlassen?

07 CHIRON: Und dabei bist du es, welcher den Abschied will. Nur weil du jung und zutraulich bist und weil man dir viel von Dankbarkeit und Treue gesprochen hat, willst du es im Augenblick nicht wahrhaben. Aber das gibt sich schnell. Es ist genau umgekehrt: ich bin der, welcher dich bitten möchte, dessen Seele bittet, den Abschied aufzuschieben, weiterzuleben mit mir wie bisher.

08 ACHILL: Aber das will ich doch.

09 CHIRON: Es ist nicht möglich, nachdem ich die Leier weggelegt habe. – Du schaust mich an, Achill! Stört dich, daß ich ein Kentaur bin?

10 (Er wendet sich zur Höhle)

11 ACHILL: Du gehst?

12 CHIRON, ruft zurück: Behalte die Leier, ich schenke sie dir.

In: Typoskripte 1957
Datiert: 1960    (    )

CHIRON UND ACHILL

CHIRON: Ich glaube, ich habe dich jetzt alles gelehrt, was ich dich lehren kann.

02 ACHILL: Heißt das, daß du jetzt nicht mehr mit mir sprechen willst?

03 CHIRON: Das heißt es nicht. Aber es ist nicht mehr nötig, so wie es diese drei Jahre lang vielleicht nötig war.

04 ACHILL: Nein, erst jetzt fängt unser Gespräch an interessant zu werden, seit du vor vierzehn Tagen das erste Mal die Leier weglegtest.

05 CHIRON: Nur die Leier konnte ich dich lehren. Daran hatte unser Gespräch Halt. Ohne sie bedürfte es eines Aufwands von deiner und meiner Seite, von dem ich nicht weiß, ob du bereit bist, ihn zu leisten. Und ich glaube auch gar nicht, daß du ihn leisten sollst. Ich habe erreicht, was ich wollte, was ich erhoffen durfte; du brauchst mich nicht mehr.

06 ACHILL: Du willst mich verlassen?

07 CHIRON: Du bist es, der den Abschied will. Nur weil du jung und zutraulich bist und weil man dir viel von Dankbarkeit und Treue gesprochen hat, willst du es im Augenblick nicht wahrhaben. Aber das gibt sich schnell. Es ist genau umgekehrt: ich bin der, welcher dich bitten möchte, dessen Seele bittet, den Abschied aufzuschieben, weiterzuleben mit mir wie bisher.

08 ACHILL: Aber das will ich doch.

09 CHIRON: Es ist nicht möglich, nachdem ich die Leier weggelegt habe. Du schaust mich an, Achill! Stört dich, daß ich ein Kentaur bin?

In: GEDICHTE 1960
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