Sein Purpur rollt, wie er im Park lustwandelt,
fast bis hinab ins Wasser, das
violett bescheiden ihn mahnt zur Rückkehr
in die Zimmer.
Doch wie er schon fast gehorcht,
05 fasziniert ihn das Sternbild,
das, die bunten Lichter wechselnd,
schnell aus dem Osten herfährt,
so schnell, dass er erschrickt // 077
und es aufzuhalten[,] den heiligen Nikolaus
zu bitten unternähme,
10 wenn ihm nicht klar wäre, dass es sich handelt um
das Kursflugzeug nach Rom:
Das Rosenbeet bleibt, einzige Robe,
purpurn am Strand
unter des Sternbildes letztem Donner,
15 wenn er im kleinen Hauskleid Limonade trinkt
und die beschwört, die dort schon lange hängen,
die Himmelsfunkelbilder, dass sie bleiben.
Denn, wer bewunderte noch mit Verstand,
wenn alle flögen weg nach Rom,
20 wer bewunderte dann noch mit Verstand und Ehrfurcht // 078
die Robe seiner Würde, wo
gelegentlich Matrosen schon auf Paddelbooten
kommen und ihn
zusammen mit den Pfauen in seinem Park fotografieren
und sich begnügen, ihm freundlich „Schönen Dank“
zu sagen,
25 wenn er ihre Zigaretten ablehnt.
Der Kardinal
- Details
- Konvolut: Notizbuch 1955-57
- Details:
V. 09 Nikolaus] Variante zu Januarius
V. 03 Emendation: in → ihn
V. 17 Emendation: HimmelsFunkelbilder → Himmelsfunkelbilder - Letzter Druck: GEDICHTE 1960
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Erste Fassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-c/10
- Seite / Blatt: 076, 077, 078

Der Kardinal
Die Robe rollt
Sein Purpur rollt, wie er im Park hin¿lustwandelt,
am Tag nach
fast bis hinab ins Wasser, das violett
(bischoflich) violett bescheiden in mahnt zur Rückkehr
in die Zimmer.
Doch wie er schon fast gehorcht,
da fasziniert erschrickt ihn die Lichtgirlande,
da fasziniert ihn erschrickt ihn das Flugzeug,
das mit¿ (den) vielen Wechsel sternen lichtern aus Osten
herfährt
die ihre bunten Sterne im Wechsel
05 fasziniert ihn das Sternbild,
das, die bunten Lichter wechselnd,
aus Osten schnell
schnell aus dem Osten herfährt,
so schnell, dass er erschrickt //

und es aufzuhalten, xxdenbegehr? hieligen Nikolaus
und es aufzuhalten, seinen¿ Engeln¿ heiligen (Januarius)
zu bitten unternähme,
10 wenn ihm nicht klar wäre, dass es sich handelt um
das Kursflugzeug nach Rom ,:
Das Rosenbeet bleibt, einzige Robe,
purpurn am Strand
unter des Sternbildes letztem Donner,
15 wenn er im kleinen Hauskleid Limonade trinkt
und die beschwört, die dort schon lange hängen,
die Ster BHimmels
die Ster Bilder der Funkelbilder, dass sie|bleiben.
dass sie|bleiben. Denn
Denn, wer bewunderte noch mit Verstand,
wenn alle weg flögen weg nach Rom,
20 wer bewunderte dann noch mit Verstand und Ehrfurcht //

die Robe ihm
die Robe seiner Würde, wo
gelegentlich Matrosen schon auf Paddelbooten
kommen und ihn
zusammen mit den Pfauen in seinem Park fotografieren
und sich begnügen, ihm freundlich „Schönen Dank“
zu sagen,
25 wenn er ihre Zigaretten ablehnt.
10.3.56
Inhalt: Notizen, 42 Entwürfe zu 37 Gedichten (1 Endfassung)
Datierung: 6.10.1955 – 7.4.1957
Textträger: schwarzes Notizbuch (Krokodil, Plastik), Bleistift
Umfang: 130 beschriebene Seiten
Publikation: Die verwandelten Schiffe (10 Gedichte), GEDICHTE (5 Gedichte), Verstreutes (3 Gedichte)
Signatur: A-5-c/10 (Schachtel 29)
Spätere Stufen: Manuskripte 1955, 1956, 1957, Typoskripte 1955, 1956, 1957
Kommentar: Die Prosanotate, von hinten her bis S. 117 eingetragen, entstammen der Legenda aurea des Jacobus de Voragine und den religionswissenschaftlichen Studien von Mircea Eliade
Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Diplomatische Umschriften (auch von den Prosanotaten)