Zwischen Russmauern,
eben unterschieden noch vom blauen Klirren
des gefrornen Himmelslinnens hängt Gedankenlinnens
weicher Flanell ein wenig in die Strasse.
05 Durchs Fenster greift des angestrengten Sinnens,
wachen, wüster offnen Träumens geschickter Finger,
zieht den Zipfel an der Zimmerpalme, die
unter der Zierlampe sich der grossen Mutter,
die in der Wüste mit dem starken Fächer im Sandwind
stand
10 und unter jener grössten, dörrenden und aller Säfte
Widerspruch // 065
verlangenden Lampe,
zieht den Zipfel an der Zimmerpalme vorbei
zum Glastisch, breitet es, das ganze Linnen
auf der Platte aus.
Auch von ihr ist es kaum unterschieden, durchsichtig
ganz wie sie,
15 doch weich und wechselnd voll Figuren,
enthält inmitten jenen ganzen Tag,
den Brunnenhof unter den Zypressen,
die sein Strömen, Rauschen, Überfliessen tadeln,
den Faun, der mittagsirre aus dem Becken steigt,
20 sodass der Löwe, bröckelnd schon im Fresko,
neu aufbrüllt und den toten Büsser herauszuscharren
anfängt, // 066
Des Faunes Tanz und Wahnsinn füllt den Hof:
wirft ihn als Bild an die Wand der Höhle, die an
der Wand des Hofs sonst abgebildet war
und macht das brüderliche Leben des Büssers und
des Löwen
25 zur nähern Gegenwart: wer will noch unterscheiden.
Der Faun der tanzt, der Faun ist Brunnens
überflossne Flut.
– Doch die Frau, die unter der Zimmerpalme die
Pastete isst,
macht mit dem Ellenbogen die Bewegung,
die ungeschickteste,
die weg für immer weg das Linnen mit dem
eingwirkten Hof,
30 des Wassers Wahnsinnsfaun wegreisst.
Er ist entglitten, der letzte weiche Zipfel aus
den Häusern weg.
Allein klirrt nur das blaue Winterlaken.
Das Linnen
- Details
- Konvolut: Notizbuch 1955-57
- Details: V. 24 Emendation: Büsser → Büssers
- Besonderes: Transkription z.T. problematisch
- Letzter Druck: Unpubliziert
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Erste Fassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-c/10
- Seite / Blatt: 064, 065, 066

Das Linnen
Zwischen Linnen¿ in Brandmauern¿ Russmauern,
eben unterschieden noch vom blauen Klirren
des gefrornen
des blauen Himmelslinnens hängt Gedankenlinnens
weicher Flanell in¿ der¿ ein wenig in die Strasse,.
Die Hand ergreift ihn, eine von den
ins Fenster
05 Durchs Fenster greift dens angestrengten Sinnenens,
wachenen, wüster offnen Träumens geschickter Finger,
zieht ihn¿den Zipfel an der Zimmerpalme, die
unter der schwachen Zierlampe sich wieder, schwach,
der grossen Mutter,
mit letzter
die in der Wüste mit dem starken Fächer im Sandwind
stand
10 und unter jener grössten, dörrenden und aller Säfte
Widerspruch //

ein¿ verlangenden Lampe,
zieht den Zipfel an der Zxximmerpalme vorbei
zum Glastisch, breitet sie es, das ganze Linnen
auf der Platte aus.
Auch von ihr ist es kaum unterschieden, durchsichtig,
ganz wie sie,
15 doch weich und wechselnd voller voll Figuren,
enthält inmitten jenen ganzen Tag,
den Brunnenxxxhof unter ta¿ den Zypressen,
die schwärzlich dies¿ sein Strömen, Rauschen,
Überfliessen tadeln,
den Faun, der mittagsirre aus dem Becken steigt,
20 sodass der Löwe aus dem, bröckelnd schon im Fresko,
neu aufbrüllt und den toten Büsser herauszuscharren
anfängt. //

Des Faunes Tanz und Wahnsinn füllt den Hof:
ist die Legende an den Wänden
wirft ihn als Bild anx die Wand der Höhle, die an
der Wand des Hofs sonst abgebildet
war
und macht dieas brüderliche Leben des Büsser und
des Löwen
25 zur näherenn Gegenwart: wer will noch unterscheiden.
Der Faun der tanzt, der Faun ist Brunnens
überflossne Flut.
– Doch die Frau, die unter der Zimmerpalme die
Pastete isst,
macht mit dem Ellenbogen die Bewegung,
die ungeschickteste,
die weg für immer weg das Linnen mit dem ein-
gewirkten Hof,
30 des Wassers Wahnsinnsfaun wegreisst.
Er ist entglitten, der letzte weiche Zipfel aus
den Häusern weg.
Allein klirrt nur das blaue Winterlaken.
6.2.56
Inhalt: Notizen, 42 Entwürfe zu 37 Gedichten (1 Endfassung)
Datierung: 6.10.1955 – 7.4.1957
Textträger: schwarzes Notizbuch (Krokodil, Plastik), Bleistift
Umfang: 130 beschriebene Seiten
Publikation: Die verwandelten Schiffe (10 Gedichte), GEDICHTE (5 Gedichte), Verstreutes (3 Gedichte)
Signatur: A-5-c/10 (Schachtel 29)
Spätere Stufen: Manuskripte 1955, 1956, 1957, Typoskripte 1955, 1956, 1957
Kommentar: Die Prosanotate, von hinten her bis S. 117 eingetragen, entstammen der Legenda aurea des Jacobus de Voragine und den religionswissenschaftlichen Studien von Mircea Eliade
Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Diplomatische Umschriften (auch von den Prosanotaten)