Auf die von Lampen von innen erhellte
Säule aus leeren Likörflaschen
mitten im Dreieck des Bartisches stieg ich
mit meinem Unrastbogen und meinem Köcher
voll verbotner Gedanken
und schmolz das Dach weg mit meinem Atem
05 und schoss meinen ersten Pfeil zuhöchst in den
Himmel hinauf
und dann den zweiten ihm nach,
sodass er sich in des ersten bebende bunte
Feder einbiss;
und dann den dritten und vierten:
alle Pfeile reihte ich sicher zur Kette,
10 die herabhing vom Himmel und dann stand
schliesslich, als ich den letzten verschossen hatte,
leicht schwankend auf der leuchtenden Säule
aus ausgetrunkenen Flaschen.
Da kletterte ich, von den letzten schläfrigen Gästen,
die sich nicht allzusehr wunderten,
15 behende hinauf, geleitet und gereizt // 027
von den vielen bunten Gelenken.
Und als mir das lang befürchtete Brüllen
des Stiers immer lauter ins Ohr dröhnte,
da erschrak ich beim Gedanken, dass ich wohl hoch,
zu hoch geschossen.
Aber schon schob er die Sternbälle beiseite
und schnob mir und hob mir die
Hörner ins Gesicht:
wie lange warteten wohl die letzten Leute am Bartisch
auf meine Rückkehr?
20 Am andern Tag musste sich der Wirt, denk ich, eine
andere Attraktion suchen,
am besten ohne den Bogen und ohne Köcher:
einen Pianisten, der sein Tonseil geschickt in den
Himmel hinabwirft
und das Dach damit zerschlägt, sodass der Mörtel
und die Steine
die Säule aus leeren Likörflaschen zertrümmern
25 und sich dann hinablässt und mit den baumelnden Beinen
die Sternbälle beiseite schiebt;
dann erschrickt ihn, auch ihn, das Brüllen des Stiers // 028
und die aufgehobenen Hörner.
Die Gäste warten schon weniger lange, diesmal,
und verlangen den Zuschlag heraus.
30 Was für eine Attraktion soll der Wirt jetzt suchen?
Einen Jongleur mit Kugeln vielleicht?
Aber schon bald träfe auch der, wunderbar virtuos,
durch die beim Anstoss dumpf tönenden Bälle
auf den Hörner hebenden Stier.
35 Versuche, Wirt, es lieber ohne Attraktionen zu machen.
Heute verstehen die Artisten alle ihr Handwerk zu gut.


