[ Am Rand lag ich und trat aus dem Schlaf
hinein in dies Glänzen aus
der Schachttiefe, mir Zuglänzen,
die Tür meines Schlafs war nur offen dahin in dies
dunkle Glänzen
der Rätselfrage: sind dies meine Augen nochmals,
die Spiegel,
05 denen ich tief unten im Schacht begegne:
ich trat durch die Tür, entlassen vom Schlaf
und stürzte hinab,
Ich falle, falle: das Auge, das Antlitz, das
dunkle Glänzen
bleibt immer fern unten, immer lockt es;
nur dass die Sonne, die eben noch den
Gegenglanz gab, // 068
10 den hellen, entschiednen, nun nicht mehr leuchtet
und dass jetzt die Wände nass widerspiegeln
den Blick des unteren dunkeln,
des unbekannten Spiegels:
Darein ich mir selber begegne:
selber bleibe getrennt,
wenn ich falle, Ball, verloren vom Kind in der Höhe
15 aufgefangen warm vom Kind in der Tiefe?
Nie aufgefangen, und immer fallend im Schacht ]
Narziss
- Details
- Konvolut: Notizbuch 1955-57
- Details: Titel zuerst: Der Schacht
- Besonderes: Text durchgestrichen; wohl durch das Folgegedicht Der Schacht ersetzt
- Letzter Druck: Verstreutes
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Erste Fassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-c/10
- Seite / Blatt: 067, 068 (oben)

Der Schacht
[ Narziss
Der Ball, der am Rand lag und nicht mehr
Am Rand lag ich und s trat
Am Rand lag ich und schlug¿ aus dem Schlaf
hinein in dies Glänzen aus
der Schachttiefe, mir Zuglänzen,
die Tür meines Schlafs war nur offen dahin in dies
Glänzen des
dunkle Glänzen
der Rätselfrage: sind dies meine Augen nochmals,
die Spiegel,
05 darinenen ich mich tief unten im Schacht begegne:
ich trat durch die Tür, entlassen vom Schlaf
und stürzte hinab.
Ich falle, falle: das Auge, das Antlitz ist¿, das
dunkle Glänzen
bleibt immer fern unten, immer lockt es; nur
ist
nur dass die Sonne, die von der eben noch ihr den
Gegenglanz gab, //

10 den hellen, entschiednen, nun nicht mehr leuchtet
und dass jetzt die Wände nass widerspiegeln
den Blick des unteren dunkeln,
des unbekannten Spiegels:
Darein
Worin ich mir selber entgegen begegne:
selber bleibe getrennt,
wenn ich falle, Ball, verloren vom Kind in der Höhe
15 aufgefangen warm vom Kind in der Tiefe?
Nie aufgefangen, und immer fallend zwischen
Nie aufgefangen, nur
im Schacht ]
Inhalt: Notizen, 42 Entwürfe zu 37 Gedichten (1 Endfassung)
Datierung: 6.10.1955 – 7.4.1957
Textträger: schwarzes Notizbuch (Krokodil, Plastik), Bleistift
Umfang: 130 beschriebene Seiten
Publikation: Die verwandelten Schiffe (10 Gedichte), GEDICHTE (5 Gedichte), Verstreutes (3 Gedichte)
Signatur: A-5-c/10 (Schachtel 29)
Spätere Stufen: Manuskripte 1955, 1956, 1957, Typoskripte 1955, 1956, 1957
Kommentar: Die Prosanotate, von hinten her bis S. 117 eingetragen, entstammen der Legenda aurea des Jacobus de Voragine und den religionswissenschaftlichen Studien von Mircea Eliade
Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Diplomatische Umschriften (auch von den Prosanotaten)