Der Kohlenschlepper dringt
in den engen Kanal, der, ungewohnt,
flieht in grossen Wellen hinauf
an die Mauern der Häuser,
05 an die Mauern des Palastes,
wo noch immer, wenn von
der Vorüberfahrt nur noch
Sirenentöne in den Treppenhäusern
hängen und Ölflecke,
10 dirnenhaft schillernd
die badenden Knaben be-
schmutzen,
schüttelt der Engel in den Zimmern,
angstfiebrig irrend // 057
15 das kahle Gezweig der
dicht verwachsnen, vergilbten,
Palmbüsche, die trostlos
seit Jahrzehnten
wuchern und, toter
20 Urwald, die Gänge undurchdringlich verwirren
und seine Spitzenwäsche,
das feine Hemd ihm zerreissen,
was kaum er bemerkt,
weil eine Spinne sich aus den
25 Zweigen herablässt und kriecht
über sein rosiges Bein.
Er steht im Glashaus des Grauens,
rührt nicht Finger und Fittich,
damit ers nicht erschlüge.
30 Am Morgen kommen die Kinder und
rufen: warum denn steht // 058
dieser Engel unter Glas. Und die
Mutter lacht und erklärt:
Warum wohl? So wird er nicht staubig.
Der Kohlenschlepper dringt …*
- Details
- Konvolut: Notizbuch 1954-55
- Besonderes: Umschrift mit teilweise problematischen Entzifferungen
- Letzter Druck: Unpubliziert
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Erste Fassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-c/07
- Seite / Blatt: 056, 057, 058

Der Kohlenschlepper dringt
in den engen Kanal, der, ungewohnt,
flieht in grossen Wellen hinauf
an die Mauern der Häuser,
05 an die Mauern des Palastes,
wo noch immer, wenn da¿ vomn
der Vorüberfahrt nur noch
Sirenentöne und¿ in den Treppenhäusern
hängen und ölig Ölflecke,
10 dirnenhaft schillernd
die Knaben badenden Knaben be-
schmutzen,
zittert das Gezweig in Angst, fallen¿
Steine¿ auf den Hügel
und die kahle Krone
des undurchdringlichen dichten
kahlen Gebüschs in der Brust¿
schüttelt der Engel
schüttelt der Geist in den Zimmern,
fiebrig angstfiebrig irrend //

15 das kahle Gezweig der
dicht verwachsenennen, vergilbten,
Palmbüsche, die trostlos stehn
und rascheln seit Jahrzehnten stehn und
im Wind ihre¿ wuchern und stets¿, toter
welkender? Urwald, Zweige Gänge
20 rascheln¿ Urwald, die Gänge¿ undurch-
dringlich verwirren .
15.12.54
und die den¿ seine Wäsche zerreissen,
und wurde? seine Spitzenwäsche zerreissen,
das feine Hemd ihm zerreissen,
Da lässt eine Spinne sich
aus¿ den¿ Doch¿ was¿ er¿ kaum bemerkt
Doch was kaum er bemerkt, plötzlich
gestellt ins Glashaus des Grauens:
weil dieseeine die Spinne ↔ lässt¿ ↑sich↑ aus den
Zweigen heral ↓lässt
25 Zweigen herab und gelassen kriecht
über sein rosiges Bein.
Er steht im Glashaus des Grauens,
bewegt sich nicht rührt nicht Finger und
Fittich,
damit ers nicht erschlüge.
30 Am Morgen kommen die Kinder und
rufen: warum denn steht //

dieser Engel im Schrank¿.
hinter¿unter Glas. Und die
Mutter lacht und erklärt:
Warum wohl? So wird er nicht staubig.
15.12.54
Inhalt: 57 Entwürfe zu 42 Gedichten, Notate zu szenischen Texten, Motiv-Notizen
Datierung: 14.1.1954 – 3.10.1955
Textträger: Hellbraunes Notizbuch, liniert, Bleistift
Umfang: 130 beschriebene Seiten (S. 94-114 fetter schwarzer Bleistift)
Publikation: Die verwandelten Schiffe (19 Gedichte), GEDICHTE (1 Gedicht), Verstreutes (4 Gedichte)
Signatur: A-5-c/07 (Schachtel 29)
Spätere Stufen: Manuskripte 1954, 1955, Typoskripte 1954, 1955
Kommentar: S. 120-122 Motive zu Gedichten
Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Umschriften (keine Umschriften bei Prosanotaten)