Entstanden: 11. Februar 1955

„Auch der Stahl steht im Markt“
und blendet allein noch, wenn der
Sturmwind von der Schneekuppe
herab durch das wirrstimmige
05 Glockenspiel des Turms bläst –
man hat es zur Unzeit geweckt.
Er wischt die von Ermüdung gebräunten
Blüten hinein in die schmutzigen
Bäche, die quollen heraus aus den Regenrohren
10 in die Rinnsteine und dort fliessen am Rande
des Trottoirs. 
Aber nochmals röten sich, nochmals
die Blüten, erhaschen ihren Morgen zurück 
vom Blut, das nun mit dem Regen 
vermischt, langsam herrinnt
15 von den Leibern der Märtyrer,
die man auf den Stahl,
der steht mitten im Markt
hinabgestürzt hatte vom Felsen,
die er nun, allein blendend, // 091
20 durchdrang. Und ihr
Blut rötet die braun
ermüdeten Blüten in den Regenbächen des
Rinnsteins.

SYNOPSE aller Fassungen:
Infos
  • Details: V. 11 Emendation: rötet → röten
  • Letzter Druck: Die verwandelten Schiffe 1957
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Zyklus: ja
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-c/07
  • Seite / Blatt: 090, 091