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Notizbuch 1950

Inhalt: Notizen, Prosa, 71 Entwürfe zu 54 Gedichten (8 Endfassungen)
Datierung: 7.12.1949 – 10.11.1950
Textträger: Blaues Notizbuch, liniert; Bleistift
Umfang: 144 beschriebene Seiten
Publikation: Gesicht im Mittag (7 Gedichte), Verstreutes (3 Gedichte)
Signatur: C-2-b/03 (Schachtel 79)
Spätere Stufen: Manuskripte 1948-51, Typoskripte 1945-50, 1948-50, Kutter
Kommentar: 9 Texte rhythmische Prosa, 21 reine Prosanotate, 1 Briefentwurf
Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Umschriften (3 private Prosanotate nicht erschlossen)

Der Gang im Traum ist stets ein Gang zu Dir …* (a*)

( 17. Dezember 1949 )

Der Gang im Traum ist stets ein Gang zu Dir: Das reine Dasein, reines Bild des Seins. O, kommst Du wieder.

02 Ist Dir des Traumes Zauber gegenwärtig? Dir ganz nur Nähe mir, Du süsser Leib, Du süsse Frucht des grenzenlosen Gottes, der sich uns gibt in Speise und in Klängen: in Dir, in Dir fand er die volle Dichte, die süsse Dichte und die reine reine Schau.

03 Denn dies ist der Ort, wo sich dies findet, was wir sonst nur in Trennung kennen: die Fülle und der Geist. Eins sind sie in dir, Du Licht und Flamme. Du heisse Frucht, die mir zu pflücken jetzt verstattet. Mir stets verstattet wird. Da wir sind eins. // 026

04 Denn was ist des Einsamen Leben? Es ist das Leben eines Halben! Die Fülle, die ist eines¿: der Mann ist fern und auf den Rändern, an den Klippen des öden Meers, geht in den Gestrüppen und unter den armen Föhren: Erst das Weib gibt Eingang ihm in die innern Länder, wo Reichtum ist des Kornes und der Früchte. Wo der Wein ist und die bunten Blumen. Zu diesem Land hat nur das Weib den Schlüssel.

05 O du bist nah und ich in deinen Armen. Ich bin der Fürst, und alles ist jetzt mein.

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • In dir ist mir alles zuteil geworden
  • Details: Abs. 01 Emendation: wieder, → wieder.
  • Besonderes: Vgl. dazu Der Gang im Traum ist wachsende Erhellung … (12.12.1949)
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Prosagedicht
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Erste Fassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 025, 026

In dir ist alles mir zuteil geworden …* (b*)

( 18. Dezember 1949 )

In dir ist alles mir zuteil geworden:
ich ging zuäusserst an den Küsten unter
den armen Föhren und im Gestrüppe, suchend
vergeblich Eingang in die innern Länder: 
05 dem Mann sind sie verschlossen, dem befreiten, 
den nichts mehr hält am alten Reichtum fest. 
Doch du hast mir das weite Tal geöffnet 
die Früchte und die Blumen mir gebracht, 
den hellen Fluss<,> Getreide unermesslich. 
10 Der Bettler ist der Schöpfung Fürst in deinen Armen

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • In dir ist mir alles zuteil geworden
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 027

In dir ist alles mir zuteil geworden …* (c*)

( 19. Dezember 1949 )

In dir ist alles mir zuteil geworden:
ich ging zuäusserst an den Küsten, unter
den armen Föhren im Gestrüppe suchend
vergeblich Eingang in die innern Länder. 
05 Dem Mann sind sie verschlossen, dem befreiten, 
den nichts mehr hält am alten Reichtum fest. 
Da brachtest du mich heute in dies Tal 
des Sommerflusses, der Getreide spiegelt, 
der Blütendolden und der saftigen Früchte. 
10 Und alles ward des Bettlers, unverhofft.

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • In dir ist mir alles zuteil geworden
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Letzte Fassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 028

Morgens Wachstum neuerer Gesichte …*

( 21. Dezember 1949 )

Morgens Wachstum neuerer Gesichte
auf der stillen Höhe fällts uns an.
Doch merkt ihr nicht, wie schon von unten brausen 
die bunten Wiesen und die saftigen Hügel 
05 o, jene, die bedrängt die Menschenlust, 
der süssen Seele und des jugendlichen Leibes: 
O Jünglinge, es sind in euch zwei Alter 
vereint; die Mönche rufen aus der alten Zeit, 
die Eremiten locken aus den Höhlen 
10 der Wüste in die geläuterte Verzückung, 
ins Schweigen, dass das Innerste erblühe. // 030 
Und es rufen die ältern noch, die 
Schiffer von den Küsten, die unschuldigen 
Hirten und hinaus aus den fruchtbarn Ländern, 
15 den reichen Inseln in dem Zwischenmeer: 
in die Wonne des allerersten Lebens, 
der glühenden Umarmung und der irdischen Zeugung. 
Den beiden seid ihr, Enkel, noch verpflichtet, 
und eure Ehrfurcht neigt sich beiden zu. 
20 Nehmt alles Mass aus euch, sitzt bei den 
Mönchen des Morgens und geht zum Hirten, wenn der Abend kommt: 
betrachtet die sieben Sphären, dringt // 031 
zur äussersten, darin der Eine alles stets bewegt, 
und gebt euch dann der menschlichen Liebe, 
25 darin allein der Gott dem Menschen eigen wird. 
Gehört den einen und gehört den andern: 
den beiden fremd zugleich, die euch misstrauen. 
Bewegt mit immer neu erkanntem Mass 
nach hier und dort um eure eigne Mitte, 
30 die schwache, die Mitte nur allein ist, weil ihr seid, 
nichts ihr und darum alles, seid.

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • Des Morgens fällt das Wachstum der Gesichte
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Erste Fassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 029, 930, 031

Aber gross ist noch und trotz allem …*

( 26. Dezember 1949 )

Aber gross ist noch und trotz allem
rein und glänzend das Dach des heiligen Hauses.
Das der Gott besucht, das der Vollkommne besucht, 
wo sie wartet, die  wartende harrt, die Seele, 
05 die Geliebte, die Frau, die gläubige Seele. 
Jahre warn es zuvor, Jahrhunderte, 
so schien ihr, dass sie wartete, 
bis er da war unter dem reinen und stets noch glänzenden Dach. 
Und zugleich stieg er auf in ihr, 
10 und sie wusste, dass immer er dagewesen. // 033
In ihrem Innern, unten, verborgen. 
Nun stieg er auf, hoch schoss er empor: 
wie die entrollte Schlange, die wittert 
das lang gesuchte Opfer: sie ist Opfer des Gottes. 
15 Sie ist nicht mehr da, sie ist in der Schlange, 
in der aufschiessenden Glut. 
Und jenes erfüllt sie, das stets in ihr war, 
klein und glühend. Davon glüht sie nun ganz. 
Und so fand denn der Gott, wie er kam, 
20 wie immer, nur noch sich selbst, fand 
die hoch züngelnde Schlange. Und er war 
traurig, wie er sie sah, die seit je er gesehen.

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • Rein und glänzend ist noch trotz allem
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Erste Fassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 032, 033

Konzentration der gesamten inneren Kraft …*

( 01. Januar 1950 )

Konzentration der gesamten inneren Kraft auf den sexuellen Eros, von einer Dauer, wie ich sie noch nie erlebte. Daran wird meine Neigung zur Monomanie wieder besonders deutlich. Alles wird stur durch die Mitte ertragen, durch das Zentrum erlebt und nur immer eines auf einmal. Diese Artung dem, was man Lebenstüchtigkeit nennt, nicht allzu günstig. Denn die Tüchtigkeit besteht doch wohl in der aktiven Erledigung des gerade Notwendigen, des im handgreiflich, gesellschaftlich-ökonomischen Sinne notwendigen. Nun, diese Tüchtigkeit lässt sich entbehren, wenn // 035 eine innere Aktivität an die Stelle tritt, das Bilden der geistigen Gestalt, wie ich es als Forderung mir stelle. Doch auch dies versinkt in der jeweiligen Woge der Leidenschaft. Und hier ist die Frage: wie wird mich diese Woge zurücklassen? Für jetzt bin ich entschlossen, mich nicht mit dieser Frage herumzuschlagen, mich der Woge zu überlassen auf jede Gefahr hin. Sich in das ganze Erlebnis hineinzuassen, das schliesslich nur gibt das stete Einverständnis mit den Grundkräften, davon man allein wirklich lebt. Daraus die echte Produktivität kommt. Geht sie daran zugrunde, ertrinkt sie // 036 endgültig in die Woge, so heisst das nur, dass sie ohnehin erstorben war, dass ich etwas wollte, was meinen Kräften nicht angemessen war. Dass es für mich nur das einfache Leben des ganz gewöhnlichen Menschen gibt. Ohne jede geistige Prätention. Es wäre dies das Ende alles Bisherigen für mich, der Anfang eines ganz Neuen auf neuer Ebene müsste versucht werden. Für den Augenblick ist alles offen.

02 Geschichte meiner Sexualität: zuerst dunkle Kraft auf dem Grunde, beängstigend, in ihrer Natur ganz unbekannt. Dann rasende Leidenschaft, wilder Trieb, gegenwärtig, aber stets im // 037 Innern verschlossen, heimlich einsam befriedigt. Dann jahrelang Versuche, die Mauer zu überwinden, Beziehung nach aussen, zu einem Partner zu finden. Zunächst ohne Erfolg, weil die Prinzipien der Erziehung, die Gegenkräfte einer andern, asketischen Moral noch zu stark sind. Endlich reisst der Damm weg, der Trieb überfällt, was ihm gerade in Reichweite kommt. Langsam nur stellt sich die wirkliche Beziehung her, die geschlechtliche Einheit im umfassenden Eros. Das kann nur in der Ehe sinnvolle Gestalt finden. Ich kann ihr nicht ausweichen. Selbst auf die Gefahr hin, // 038 dass mir nichts übrig bleibt ausserhalb. Ob ich auch vermuten darf, dass sich schliesslich ein Gleichgewicht herstellt und gerade in dieser neuen Lebensform wieder Kräfte frei werden, von denen ich zuvor nichts wusste.

03 Auf jeden Fall: hatte ich die Kraft zur Askese nicht, zur Enthaltung vom Geschlechtlichen, bekannte ich mich zum Naturtrieb und zu seiner Lust, so muss ich wohl auch die Verpflichtung auf mich nehmen, die daraus folgt, die Verpflichtung, dem Trieb eine Gestalt zu geben. In diesem Sinne muss ich die Ehe bejahen und sie versuchen, wie sehr mir auch meine Be-// 039 gabung zum Familienvater zweifelhaft sein mag.

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • Besonderes: Gleicher Text wieder im Tagebuch, 1.1.1950
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Prosanotat
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 034, 035, 036, 037, 038, 039 (oben)

Traumtag, Entfernung aus dem Wirklichen …*

( 02. Januar 1950 )

Traumtag, Entfernung aus dem Wirklichen, das nicht wirklich ist. Wirklich nur ist die Weide am winterlichen Wasser. Die Urweide und das Urwasser. Gibt es das? Jenen Ort, wo die Dinge eins sind im Eigentlichen und zugleich unterschieden. Die Möwen und der Rauch. O das ist einsam, das ist die Entfernung des Traumtags des Traumtags von dem Wirklichen, das nur Schein ist. Aber schöner Schein. Darin alles Wahre erscheint. In der Weide am Wasser die Urweide. Und im Winter dieser Winter, der am Anfang steht, der in der Mitte ist. Wo immer Winter ist. Der Winter ist das Reine Die Enthüllung //  040 und die Starre der Enthüllung. Dass da ist nichts mehr, das ablenkt, das einen Zweifel liesse, wie unwichtig alles ist, was wir sehen. Denn das Unsichtbare wird ahnbar in der ödesten Landschaft. Denn das Unsichtbare wird ahnbar, wo wenig mehr ist. Was hilft es reden von Bäumen und Früchten, von den silbernen Bergen, von den Flüssen: wenn das alles nicht ist, nicht ist im Vergleich zu dem Einen, das schweigt und sich nicht bewegt, das nicht ist, weil es keine Eigenschaft hat und keine Strebung. Dieser unendliche, überseiende Grund, das unzugängliche Licht.

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Prosanotat
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 039 (unten), 040

Die Leidenschaft, die völlig dahinreisst …*

( 05. Januar 1950 )

Die Leidenschaft, die völlig dahinreisst, alles aufsaugt, sodass nichts bleibt, ausserhalb. Es ist dies wie eine Lähmung. Jeder Gedanke, jede Vorstellung, die sich auf anderes beziehen soll, muss diesem Einen entrissen werden. Und die Leidenschaft rächt sich; denn die Wunde ist blutiger als der Erfolg der Anstrengung je sein könnte. Es scheint, dass uns nicht erlaubt ist, im reinen Raum der geistigen Klarheit zu verharren. Dass die Triebe des Untergrundes immer wieder einbrechen und alles, was wir mühsam errichtet, wegschwemmen müssen. So ist die Gefahr stets gegenwärtig. Es gibt keinen Ort, wohin man ihr ausweichen // 042 könnte. So bleibt mir im Augenblick nichts, als die Sehnsucht nach der Klarheit. Aber ihr selber war ich noch niemals so fern.

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • Details: S. 042 Emendation: Karheit → Klarheit
  • Besonderes: weitere Notate 10. und 11.1.1950, 23.1.1950; gleiche Texte im Tagebuch, 5.1.1950 etc.
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Prosanotat
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 041, 042 (oben)

Die Liebe ist Erkennen des Volkommenen im Unvollkommenen …*

( 10. Januar 1950 )

Paris: Die Liebe ist Erkennen des Vollkommenen im Unvollkommenen. Der verborgenen Götter in dem Natürlichen (wenn man das Natürliche als das Ungöttliche voraussetzt!) Reinigung der Sexualität in der wachsenden¿ Liebe. Ob es auch die Reinheit im ganz Tierhaften geben mag, in der Naivität. So gibt es sie für den bewussten Menschen doch nur in der Askese oder in der ganz grossen Liebe: Die Bejahung des Andern als eines Ganzen, ohne Idealisierung, wenn die // 043 Verklärung der ersten Verzückung wegfällt, dann erst beginnt die gültige Liebe.

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Prosanotat
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 042 (unten), 043 (oben)

Aus der Woge der Trübnis stets wieder aufsteigend …*

( 23. Januar 1950 )

Aus der Woge der Trübnis stets wieder aufsteigend die umfassende Gestalt, als Imagination // 047 nur vorerst, als Vorstellung einer Möglichkeit. Nicht ohne den Flor der Erinnerung an die Jugend, wo es dies zu geben schien, als fraglose Gegenwart, das Innere füllend, was jetzt nur noch den hellsten Stunden gehört und sonst Sehnsucht ist bloss, Ahnung eines Jenseitigen, jenseits alles Erfahrbaren. Dennoch, dies bleibt, diese aus der Ferne rührende Gestalt des Reinen, Gestalt, die nach Bildung, nach Realisation verlangt in der ihr feindlichen Materie: im Menschlichen, das in seinen Tiefen schwebt nach seinen Begierden weint¿ und nichts mehr fürchtet scheinbar, als enthoben zu werden.

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Prosanotat
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 046 (unten), 047

An Hans Noll

( 24. Januar 1950 )

Es kann sich im Gespräch doch nicht nur um ein Aufstapeln von Paradoxen handeln, es sei denn man mache den Widerspruch der Erscheinungen so deutlich, dass sie, zwangsweise, den Blick, die Richtung des inneren Auges auf eine Gestalt hinweisen, die jenseits alles vereinigt, die den Widerspruch vollkommen aufhebt im unsäglich Klaren, im geläuterten Reinen. Aber jenseits: das will sagen: die Gestalt (man könnte es auch anders nennen, das Reine, vielleicht auch, wenn ich recht verstanden habe, das Heitere Heideggers, oder, das ist schon kühn: Gott, insofern er uns begegnet), die Gestalt kann nie // 049 theoretisch definiert, philosophisch oder theologisch irgend zureichend umrissen, sie kann nur geschaut werden. Schau aber lässt sich nur im Bilde annähernd ausdrücken, mitteilen. Hier ist doch wohl die Beziehung der Kunst zur Mystik, zu jenem Ort darin, den man Ekstase heisst. Denn es handelt sich darin wohl um eine Art Ekstase, wenn auch, in der höchst reflektierten Dichtung der Gegenwart z. B. oder auch der hohen Antike, des Horaz, des Vergil, um eine weithin bewusste Technik des Schauens, eine Methode der Annäherung an die Gestalt – dies mag immerhin zweifelhaft sein, es ist mir noch nicht klar – um eine Methode // 050 auf jeden Fall, eine immer genauer ausgebildete Technik der Wiedergabe geschauter Gestalt, der Wiederholung der Gestalt im Ausdruck.

02 Wenn dies annähernd gelingt: das Nachbild der Gestalt im Stoffe (des Wortes z. B.) dann ist wohl ein ebenso Wichtiges erreicht wie eine theoretische Erklärung, eine Theologie irgend einer Art jemals erreichen könnte. Das Paradox muss gesehen werden, bis zum letzten, bis in den Zynismus des Bekenntnisses scheinbarer Sinnlosigkeit von allem: erst dann wird der Glanz der höchsten Wölbung, der Klang der siebten Sphäre offenbar!

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Prosanotat
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 048, 049, 050

Vom Westen drängt das Reinere herüber …*

( 24. Januar 1950 )

Vom Westen drängt das Reinere herüber,
das Schwindende ist stark im ersten Traum
zerspellt die Trübnis jenes schwarzen Soges 
der jede Kraft in Mitnachttiefe zieht, 
05 wo ist das Kommt noch stärker als Vergehen, 
die Tiefen sind in Wolkenspalten licht, 
dem Zug der Wetter klarheitwärts enthoben 
Die Blitze fallen vor den Regenschauern, 
noch unterhalb der Bergesgipfel die, 
10 noch so hoch, nicht rühren an den tiefsten Himmel.

Details
Konvolut: Notizbuch 1950
  • Vom Westen drängt das Reinere herüber
  • Letzter Druck: GESICHT IM MITTAG 1950
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Erste Fassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: C-2-b/03
  • Seite / Blatt: 051

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Notizbuch 1950 (alph.)
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    Aus der gestürzten Schale fällt...

  • Aus der gestürzten Schale rinnen letzte glühende …* (c*)

    Aus der gestürzten Schale rinnen...

  • Aus der gestürzten Schale rinnen Tropfen, glühend …* (d*)

    Aus der gestürzten Schale rinnen...

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    Aus der Woge der Trübnis stets...

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  • Entlassenes Licht, das noch in der Hölle schwebt …*

    Entlassenes Licht, das noch in...

  • Es spiegelt sich in Teichen Winterhimmel …*

    Es spiegelt sich in Teichen...

  • Fallen in Kaskaden wogend nieder …*

    Fallen in Kaskaden wogend nieder...

  • Flieht der Tag …*

    Flieht der Tag, der die reine...

  • Heliopolis (Forts.) …*

    Heliopolis (Forts.) gibt nur...

  • Herzgesang, der aus dem Innern schwirrt …*

    Herzgesang, der aus dem Innern...

  • In dir ist alles mir zuteil geworden …* (b*)

    In dir ist alles mir zuteil...

  • In dir ist alles mir zuteil geworden …* (c*)

    In dir ist alles mir zuteil...

  • Ist das heutige nicht …*

    Ist das heutige nicht,...

  • Konzentration der gesamten inneren Kraft …*

    Konzentration der gesamten...

  • Morgens Wachstum neuerer Gesichte …*

    Morgens Wachstum neuerer Gesichte auf der...

  • Neue Wolke wie ein dunkles Boot …*

    Neue Wolke wie ein dunkles Boot,...

  • Nun die Speise den Gästen allen geistig gemundet …*

    Nun die Speise den Gästen allen...

  • Nun ist Trübnis noch hier, die Höhen …* (a*)

    Nun ist Trübnis noch hier, die...

  • O all der Druck der ungeheuren Atmosphäre …*

    O all der Druck der ungeheuren...

  • O der schöne, der noch verständliche Himmel …*

    O der schöne, der noch...

  • O fürchterliche Glorie …*

    O fürchterliche Glorie

  • O Gang an Firmamenten und auf Türmen …*

    O Gang an Firmamenten und auf...

  • Ob auch die Höhen betrübt der grauliche Nebel …* (b*)

    Ob auch die Höhen betrübt der...

  • Ruf frei über der Öde …*

    Ruf frei über der Öde, Wachstum...

  • Schwemmt der Fluss aus hohen kaum gefurchten …*

    Schwemmt der Fluss aus hohen kaum...

  • Sehr verehrter Herr Professor …*

    Sehr verehrter Herr Professor, 01...

  • Sonst dämmert alles augenlos dahin …* (b*)

    Sonst dämmert alles augenlos...

  • Sonst dämmert alles noch erblindet hin …* (a*)

    Sonst dämmert alles noch...

  • Sonst dämmert immer augenlos dahin …* (c*)

    Sonst dämmert immer augenlos die...

  • Spiel ohne Ende, vom Hereinklang genährt …*

    Spiel ohne Ende, vom Hereinklang...

  • Tod, inständiger Bruder hinter die Hügel …*

    Tod, inständiger Bruder hinter...

  • Traumtag, Entfernung aus dem Wirklichen …*

    Traumtag, Entfernung aus dem...

  • Treuer Tag, der mich herübertrug …*

    Treuer Tag, der mich herübertrug...

  • Über die Unwirklichkeit …*

    Über die Unwirklichkeit: die...

  • Und hält der Schiffer …*

    Und hält der Schiffer des Bootes...

  • Und wer der Erde Fährlichkeit entrönne …* (b*)

    Und wer der Erde Fährlichkeit...

  • Ungestillt immer ist …*

    Ungestillt immer ist der...

  • Vergänglich ist auch dieses kaum Enthüllte …*

    Vergänglich ist auch dieses kaum...

  • Vom Westen drängt das Reinere herüber …*

    Vom Westen drängt das Reinere...

  • Walter G. sprach mir gestern von meinen Gedichten …*

    Walter G. sprach mir gestern von...

  • Wanderung des Wissens durch die Pforten …* (a*)

    Wanderung des Wissens durch die...

  • Wäre dieser Strom doch schon erhoben …*

    Wäre dieser Strom doch schon...

  • Was ich jetzt tue …*

    Was ich jetzt tue, das sind alles...

  • Was ist es, das hineinzieht in den Wirbel …*

    Was ist es, das hineinzieht in...

  • Weiter zu Heliopolis …*

    Weiter zu Heliopolis: auffällig das...

  • Wenn du nicht vermagst das Unlenkbare zu lenken …* (a*)

    Wenn du nicht vermagst das...

  • Wenn du nicht vermagst das Unlenkbare zu lenken …* (b*)

    Wenn du nicht vermagst das...

  • Wer der Erde Fährlichkeit entrönne …* (a*)

    Wer der Erde Fährlichkeit...

  • Wesensbild, aus Schwaden, ganz verschlungen …* (a*)

    Wesensbild, aus Schwaden, ganz...

  • Wie das Gespinst des Lichtes, Scheinlichtes …*

    Wie das Gespinst des Lichtes,...

  • Wie steht der Traum im Morgen öde …*

    Wie steht der Traum im Morgen...

  • Willst du dieses Bildnis ganz enthüllen …*

    Willst du dieses Bildnis ganz...

  • Wirrsal der gestrandeten Träume …*

    Wirrsal der gestrandeten Träume,...

  • Zu den Gesprächen mit Eberhard Zwirner …*

    Mit der Reformation kam eine...

  • Zu Heliopolis …*

    Zu Heliopolis: Lucius ist Jünger...

  • Zu schlagen …*

    Zu schlagen an die ehernen...

Notizbuch 1950 (Folge)
  • O fürchterliche Glorie …*

    O fürchterliche Glorie

  • Heliopolis (Forts.) …*

    Heliopolis (Forts.) gibt nur...

  • Walter G. sprach mir gestern von meinen Gedichten …*

    Walter G. sprach mir gestern von...

  • Du stehst so hoch …* (a*)

    Du stehst, so hoch, du reine...

  • Du stehst so hoch …* (b*)

    Du stehst so hoch, o reine Göttin des...

  • Sonst dämmert alles noch erblindet hin …* (a*)

    Sonst dämmert alles noch...

  • Sonst dämmert alles augenlos dahin …* (b*)

    Sonst dämmert alles augenlos...

  • Sonst dämmert immer augenlos dahin …* (c*)

    Sonst dämmert immer augenlos die...

  • Die reine Konzentration …*

    Die reine Konzentration als...

  • Der Gang im Traum ist wachsende Erhellung …*

    Der Gang im Traum ist wachsende...

  • Zu Heliopolis …*

    Zu Heliopolis: Lucius ist Jünger...

  • Weiter zu Heliopolis …*

    Weiter zu Heliopolis: auffällig das...

  • Der Gang im Traum ist stets ein Gang zu Dir …* (a*)

    Der Gang im Traum ist stets ein...

  • In dir ist alles mir zuteil geworden …* (b*)

    In dir ist alles mir zuteil...

  • In dir ist alles mir zuteil geworden …* (c*)

    In dir ist alles mir zuteil...

  • Morgens Wachstum neuerer Gesichte …*

    Morgens Wachstum neuerer Gesichte auf der...

  • Aber gross ist noch und trotz allem …*

    Aber gross ist noch und trotz...

  • Konzentration der gesamten inneren Kraft …*

    Konzentration der gesamten...

  • Traumtag, Entfernung aus dem Wirklichen …*

    Traumtag, Entfernung aus dem...

  • Die Leidenschaft, die völlig dahinreisst …*

    Die Leidenschaft, die völlig...

  • Die Liebe ist Erkennen des Volkommenen im Unvollkommenen …*

    Paris: Die Liebe ist Erkennen des...

  • Aus der Woge der Trübnis stets wieder aufsteigend …*

    Aus der Woge der Trübnis stets...

  • An Hans Noll

    Es kann sich im Gespräch doch...

  • Vom Westen drängt das Reinere herüber …*

    Vom Westen drängt das Reinere...

  • Dieses Dürsten nach den ältsten Quellen …*

    Dieses Dürsten nach den ältsten...

  • Nun ist Trübnis noch hier, die Höhen …* (a*)

    Nun ist Trübnis noch hier, die...

  • Ob auch die Höhen betrübt der grauliche Nebel …* (b*)

    Ob auch die Höhen betrübt der...

  • Und hält der Schiffer …*

    Und hält der Schiffer des Bootes...

  • Wer der Erde Fährlichkeit entrönne …* (a*)

    Wer der Erde Fährlichkeit...

  • Und wer der Erde Fährlichkeit entrönne …* (b*)

    Und wer der Erde Fährlichkeit...

  • Flieht der Tag …*

    Flieht der Tag, der die reine...

  • Die Beziehung zum Vergangenen …*

    Die Beziehung zum Vergangenen: 01...

  • Die Glut, die ich jenseits sehe …*

    Die Glut, die ich jenseits sehe...

  • Dem Gänger auf der Hügelstrasse …* (a*)

    Dem Gänger auf der Hügelstrasse...

  • Dem Gänger auf der Hügelstrasse sind …* (b*)

    Dem Gänger auf der Hügelstrasse...

  • Die ausgegossne Fülle liegt auf dem Teppich …* (a*)

    Die ausgegossne Fülle liegt auf...

  • Ausgegossne Fülle mitten in Markts Gepränge …* (b*)

    Ausgegossne Fülle mitten in...

  • Wanderung des Wissens durch die Pforten …* (a*)

    Wanderung des Wissens durch die...

  • Die Wanderung nach Wissen durch die Pforten …* (b*)

    Die Wanderung nach Wissen durch...

  • Willst du dieses Bildnis ganz enthüllen …*

    Willst du dieses Bildnis ganz...

  • Ruf frei über der Öde …*

    Ruf frei über der Öde, Wachstum...

  • Aus der gestürzten Schale fällt …* (a*)

    Aus der gestürzten Schale fällt...

  • Aus der gestürzten Schale …* (b*)

    Aus der gestürzten Schale fallen...

  • Aus der gestürzten Schale rinnen letzte glühende …* (c*)

    Aus der gestürzten Schale rinnen...

  • Aus der gestürzten Schale rinnen Tropfen, glühend …* (d*)

    Aus der gestürzten Schale rinnen...

  • O der schöne, der noch verständliche Himmel …*

    O der schöne, der noch...

  • Entlassenes Licht, das noch in der Hölle schwebt …*

    Entlassenes Licht, das noch in...

  • Spiel ohne Ende, vom Hereinklang genährt …*

    Spiel ohne Ende, vom Hereinklang...

  • Treuer Tag, der mich herübertrug …*

    Treuer Tag, der mich herübertrug...

  • Wesensbild, aus Schwaden, ganz verschlungen …* (a*)

    Wesensbild, aus Schwaden, ganz...

  • Die Bezeugung rufst du, Wesensbild …* (b*)

    Die Bezeugung rufst du,...

  • Die Bezeugung rufst du, Wesensbild …* (c*)

    Die Bezeugung rufst du,...

  • Fallen in Kaskaden wogend nieder …*

    Fallen in Kaskaden wogend nieder...

  • Tod, inständiger Bruder hinter die Hügel …*

    Tod, inständiger Bruder hinter...

  • Neue Wolke wie ein dunkles Boot …*

    Neue Wolke wie ein dunkles Boot,...

  • Was ist es, das hineinzieht in den Wirbel …*

    Was ist es, das hineinzieht in...

  • Der Vogel fällt, der schwankende vor Licht …*

    Der Vogel fällt, der schwankende...

  • Vergänglich ist auch dieses kaum Enthüllte …*

    Vergänglich ist auch dieses kaum...

  • Das heraufstieg in den Wald …*

    Das heraufstieg in den Wald an...

  • Schwemmt der Fluss aus hohen kaum gefurchten …*

    Schwemmt der Fluss aus hohen kaum...

  • Sehr verehrter Herr Professor …*

    Sehr verehrter Herr Professor, 01...

  • Wie das Gespinst des Lichtes, Scheinlichtes …*

    Wie das Gespinst des Lichtes,...

  • Über die Unwirklichkeit …*

    Über die Unwirklichkeit: die...

  • Wirrsal der gestrandeten Träume …*

    Wirrsal der gestrandeten Träume,...

  • Der sich losriss, Gefangner der Tiefsee …*

    Der sich losriss, Gefangner der...

  • Herzgesang, der aus dem Innern schwirrt …*

    Herzgesang, der aus dem Innern...

  • Der Schlummer, der in der Tiefe heilt …*

    Der Schlummer, der in der Tiefe...

  • Die Gefahr als Rettung vor dem Tod der Seele …*

    Die Gefahr als Rettung vor dem...

  • O Gang an Firmamenten und auf Türmen …*

    O Gang an Firmamenten und auf...

  • Wie steht der Traum im Morgen öde …*

    Wie steht der Traum im Morgen...

  • Wenn du nicht vermagst das Unlenkbare zu lenken …* (a*)

    Wenn du nicht vermagst das...

  • Wenn du nicht vermagst das Unlenkbare zu lenken …* (b*)

    Wenn du nicht vermagst das...

  • Ist das heutige nicht …*

    Ist das heutige nicht,...

  • Aus dem Gebirge …*

    Aus dem Gebirge stürzen Donner...

  • Ungestillt immer ist …*

    Ungestillt immer ist der...

  • Zu den Gesprächen mit Eberhard Zwirner …*

    Mit der Reformation kam eine...

  • Es spiegelt sich in Teichen Winterhimmel …*

    Es spiegelt sich in Teichen...

  • Am Morgen

    Wie ist das Tier verwandelt an...

  • Die Tore dröhnen in die Pfosten …*

    Die Tore dröhnen in die Pfosten...

  • Diese Hülle ist noch vor dem Saal …*

    Diese Hülle ist noch vor dem Saal vor...

  • Nun die Speise den Gästen allen geistig gemundet …*

    Nun die Speise den Gästen allen...

  • Die trauerreiche Zeit des trüben Traumes …*

    Die trauerreiche Zeit des trüben...

  • Einleitung zum Helblingabend …*

    Einleitung zum Helblingabend: 01...

  • Die Klarheit selber ist verderblich …*

    Die Klarheit selber ist...

  • Wäre dieser Strom doch schon erhoben …*

    Wäre dieser Strom doch schon...

  • Die Muschel offen …*

    Die Muschel offen ausgeleert die...

  • Was ich jetzt tue …*

    Was ich jetzt tue, das sind alles...

  • O all der Druck der ungeheuren Atmosphäre …*

    O all der Druck der ungeheuren...

  • Die Notwendigkeiten literarischer Äusserung …*

    Die Notwendigkeiten literarischer Äusserung...

  • Zu schlagen …*

    Zu schlagen an die ehernen...

  • Das Kind allein ist es, das …*

    Das Kind allein ist es, das leben...

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