Manuskripte 1957
Inhalt: 89 Manuskripte und 11 Typoskripte zu 24 Gedichten und 2 szenischen Texten (2 Endfassungen)
Datierung: 27.11.1956 – 31.12.1957
Textträger:114 Einzelblätter (A4-Format); v.a. durchscheinende Makulatur von Gedichttyposkripten und bräunliche Blätter
Umfang: 27 Dossiers, 192 beschriebene Seiten
Publikation: GEDICHTE (10), Verstreutes (2)
Signatur: A-5-d/02 (Schachtel 37)
Herkunft: Mappe EG 57
Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Umschriften
Die Hundekoppel kläfft im Unterholz,
wenn dein Hali-Halo die Kronen zaust.
Die Hundekoppel geifert Ebbe,
wenn dein Gelächter weisse Flutgischt schneit.
05 Das Salzmeer weint nicht in die Waldung,
das Salzmeer lacht, wenn du inmitten
des Fragerings und Staunaufstands der Hunde
fragst und staunst:
Denn über Silberlaken trabt die Stute,
10 ihr Wiehern springt dir über Wipfel zu
und folgt der Reizung deines Schreis,
des Schreiers Auge Reizung, Jägermeister.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Letzter Druck: Unpubliziert
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-d/02_003
- Seite / Blatt: 03
Nichts ist hier, was man unbedingt sehen müsste,
nicht wegen Denkmälern gefällt es mir hier,
sondern weil es Stunden gibt,
wo du hier tiefer bist in Venedig als selbst am Rialto:
05 Auf den Stufen des Herberghügels,
das Ohr dem Klang der Sterne geschärft,
die über dem Hafen tönen;
wenn auch zu fern noch, als dass nicht
die Lötlampen in den Schwimmdocks
10 lauter aufsprühten und ihr Ton nicht im Wasser
schnell hinschliffe und wüchse.
Klammre dich nicht an meinem Arm fest.
du sollst dich nicht fürchten,
wenn du das weisse Gesicht gross liegen siehst zwischen den Schiffen
15 mit wehoffenem Mund,
verstummt und fast schlafend. // 01v
Du sollst dich nicht fürchten,
wenn eine geheime
Strömung es sogar in diesen entlegenen Hafen herschwemmte.
20 Städte und Häfen magst immer du suchen,
ich glaube, immer fändest dus wieder.
Drum sieh drüber weg und steige ganz auf den Hügel:
da siehst du alle Lichter im schwarzen
Ölwasser scherzen. Und jenes
25 Gesicht, wenn dus nur willst,
ist einfach der Mond, der sich bescheiden
zwischen leeren, ruhenden Schiffen
spiegelt im Becken. Du sollst dich nicht fürchten.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Details: V. 01 Emendation: nichts → Nichts
- Besonderes:
Blagtt beidseitig beschrieben
Verso (oben): Typoskript (Zwischen den Kerzen), durchgestrichen - Letzter Druck: GEDICHTE 1960
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-d/02_004
- Seite / Blatt: 01r/v
Nichts ist hier, was man unbedingt sehen müsste;
nicht wegen Denkmälern gefällt es mir hier,
sondern weil es Stunden gibt,
wo du hier tiefer bist in Venedig als selbst am Rialto:
05 Auf den Stufen des Herberghügels,
das Ohr dem Klang der Sterne geschärft,
die über dem Hafen tönen;
wenn auch zu fern noch, als dass nicht
die Lötlampen in den Schwimmdocks
10 greller aufsprühten, ihr Schrei
übers Wasser kälter hinschliffe und wüchse.
Klammere dich nicht an meinem Arm fest,
du sollst dich nicht fürchten,
wenn du das grosse Gesicht weiss liegen siehst zwischen den Schiffen, // 03
15 mit offenem Mund,
verstummt und wie schlafend.
Du sollst dich nicht fürchten, weil eine geheime
Strömung es sogar in diesen entlegenen Hafen herschwemmte:
Städte und Häfen magst immer du fliehen,
20 ich glaube, immer fändest dus wieder.
Drum sieh drüber weg und steige ganz auf den Hügel:
von da ist das weisse Gesicht
einfach der Mond, der sich mit Sternen bescheiden
zwischen ruhenden Schiffen spiegelt im Becken: wenn dus nur willst. –
25 Du sollst dich nicht fürchten.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Besonderes:
Bräunliches Papier
Verso: Typoskripte (Der Mund (Sacro Bosco in Bomarzo)), durchgestrichen - Letzter Druck: GEDICHTE 1960
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-d/02_004
- Seite / Blatt: 02, 03
Nichts ist hier,
was man unbedingt gesehen haben müsste;
nicht wegen Denkmälern gefällt es mir hier,
sondern weil es Stunden gibt,
05 wo du hier tiefer in Venedig bist als selbst am Rialto:
Am Herberghügel,
das Ohr dem Klang der Sterne geschärft,
die über dem Hafen tönen;
wenn auch zu fern, als dass nicht die Schreie
10 der Lötlampen kälter aus den Docks übers Wasser
hinschliffen und wüchsen. // 04v
Klammere dich nicht an meinen Arm,
du sollst dich nicht fürchten,
wenn du das grosse Gesicht weiss liegen siehst zwischen den Schiffen,
15 mit offenem Mund,
verstummt und wie schlafend.
Du sollst dich nicht fürchten, weil eine geheime
Strömung es sogar in diesen entlegenen Hafen herschwemmte
Städte und Häfen magst immer du fliehen,
20 ich glaube, immer fände dichs wieder.
Drum sieh drüber weg und steige ganz auf den Hügel;
von da ists einfach der Mond,
der bescheiden mit Sternen, wenn dus nur willst,
liegt zwischen den Schiffen im Becken:
25 Du sollst dich nicht fürchten.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Details: V. 23 Emendation: willst. – → willst,
- Besonderes: Bräunliches Papier; Blatt beidseitig beshrieben; Fortsetzung 1.5.1957
- Letzter Druck: GEDICHTE 1960
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-d/02_004
- Seite / Blatt: 04r/v
Hier ist nichts,
was man unbedingt gesehen haben müsste;
nicht wegen Denkmälern gefällt es mir hier,
sondern weil es Stunden gibt,
05 wo du hier tiefer in Venedig bist als selbst am Rialto:
Am Herbergshügel,
das Ohr dem Klang der Sterne geschärft,
die über den Hafen tönen –
wenn auch zu fern, als dass nicht die Schreie
10 der Lötlampen kälter aus den Docks übers Wasser
hinschliffen und wüchsen.
Klammere dich nicht an meinen Arm;
du sollst dich nicht fürchten,
wenn du das grosse Gesicht weiss liegen siehst zwischen den Schiffen,
15 mit offenem Mund,
verstummt und wie schlafend.
Du sollst dich nicht fürchten, weil eine geheime
Strömung es sogar in diesen entlegenen Hafen herschwemmte:
Städte und Häfen magst immer du fliehen,
20 ich glaube, immer fände dichs wieder.
Drum sieh drüber weg, und steige ganz auf den Hügel;
von da ists einfach der Mond,
der bescheiden mit Sternen, wenn dus nur willst, // 05v
liegt zwischen den Schiffen im Becken:
25 Du sollst dich nicht fürchten.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Details: V. 22 ists einfach] mit Bleistift gesgtrichen, durch Unterpunktung wiederhergestellt
- Besonderes:
Blatt beidseitig beschrieben;
Typoskript mit Direktkorrekturen und Bleistiftkorrektur
Zusätzlich ein Typoskript der Druckfassung, aoR mit Bleistift: Kopie für Raeber - Letzter Druck: GEDICHTE 1960
- Textart: Verse
- Datierung: nur Jahr
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Schreibmaschine
- Signatur: A-5-d/02_004
- Seite / Blatt: 05r/v
Der Flieder deiner Stimme tönt und duftet
durch Türen und durch hohle Fenster ein.
Der Fliederstrauch, der lilafarbne,
hat sich in einer Wolke Lied gelöst und schwebt
05 und duftet, stiebt in Tönen durch der Ohren Nüstern
in diesen winterlichen Garten ein.
Der Fliederstrauch, gelöst in Staub und Düfte,
tönt her in Wogen, lauter, leiser tröstend,
auf dies mein träumeloses Lager ein.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Besonderes: Verso: Typoskript (Zwischen den Kerzen), durchgestrichen
- Letzter Druck: Unpubliziert
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-d/02_005
- Seite / Blatt: 01
Der Flieder dringt mit weisser Stimme
durch die vom Rost ertaubten Gitter ein.
Der Fliederstrauch, der lilafarbne, hat
sich längst gelöst ins Lied und stiebt
05 in das erstarrte Labyrinth herein.
Der Fliederstrauch, gelöst in Staub und Stimme,
betäubt und tötet, wogt
auf diese dämmelose Insel ein.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Details: V. 04/05 Strich alR und Notat: Schneckenhaus?
- Besonderes: Bräunliches Papier
- Letzter Druck: Unpubliziert
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-d/02_005
- Seite / Blatt: 02
Der Flieder dringt mit weisser Stimme
durch das vom Rost ertaubte Gitter ein.
Der Fliederstrauch, der trauerfarbne, hat
sich aufgelöst ins Lied und stiebt
05 in der zertretnen Schnecke starres Labyrinth herein.
Der Fliederstrauch, gelöst in Staub und Stimme,
schwillt auf und droht und wogt
auf diese dämmelose Insel ein.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Besonderes: Bräunliches Papier
- Letzter Druck: Unpubliziert
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-d/02_005
- Seite / Blatt: 03
Der Flieder dringt mit weisser Stimme
durch das vom Rost ertaubte Gitter ein.
Der Fliederstrauch, der trauerfarbne, hat
sich aufgelöst ins Lied und stiebt
05 in das zertretne Schneckenlabyrinth herein.
Der Fliederstrauch, gelöst in Staub und Stimme,
schwillt auf und droht und wogt
auf diese Insel ohne Dämme ein.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Besonderes: Bräunliches Papier
- Letzter Druck: Unpubliziert
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-d/02_005
- Seite / Blatt: 04
Der Flieder dringt mit weisser Stimme
durch das vom Rost ertaubte Gitter ein.
Der Fliederstrauch,
der trauerfarbne, hat
05 sich aufgelöst ins Lied und stiebt
in das zerbrochne Schneckenlabyrinth herein.
Der Fliederstrauch,
gelöst in Staub und Stimme,
schwillt auf und droht und wogt
10 auf diese Insel ohne Dämme ein.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Besonderes: Bräunliches Papier; Überarbeitung (1 Korrektur): 1.5.1957
- Letzter Druck: Unpubliziert
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-d/02_005
- Seite / Blatt: 05
Der Flieder dringt mit weisser Stimme
durch das vom Rost ertaubte Gitter ein.
Der Fliederstrauch,
des Duftens müde, hat
05 sich aufgelöst ins Lied und stiebt
in das zerbrochne Labyrinth herein.
Der Fliederstrauch,
gelöst in Staub und Stimme,
schwillt auf und droht und wogt
10 auf diese dämmelose Insel ein.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Besonderes: Typoskript mit Bleistiftkorrekturen
- Letzter Druck: Unpubliziert
- Textart: Verse
- Datierung: nur Jahr
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Schreibmaschine
- Signatur: A-5-d/02_005
- Seite / Blatt: 06
Wer es vermöchte
dich hinauszuführen zum Schilfufer,
wo der bärtige Gott innehielte einen Moment
im Ausgiessen des Flusskrugs,
05 um, wenn auch umsonst, zu entdecken,
warum du hier stöhnend am Baum stehst:
Wer dies vermöchte,
dem bliebe erspart, in dem grossen
gehöhlten Lapislazuli der Kirche
10 aufzuzucken unter dem Schwirren
eines jeden einzelnen Pfeils,
der aus dem Hinterhalt der Beter
deinen Leib trifft.
Dort draussen schwängen die Engel
15 sich von den Zweigen, zu trocknen // 01v
mit Linnen dein Blut,
sodass grösser und stummer noch stünde das Staunen des Greises:
wenn er dich auch endlich erkännte, mit Mühe,
so doch kaum je die Mitleidsirenen,
20 Luftgeister, Flügeldryaden.
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1957
- Details:
V. 02 Schilfufer] Schilfplatz(Alternativ-Variante)
V. 08 grossen] dunklen (Alternativ-Variante)
V. 12 Beter] Gebete (Alternativ-Variante) - Besonderes:
Blatt beidseitig beschrieben
Verso (oben): Typoskript: Der Mund (Sacro Bosco in Bomarzo), durchgestrichen - Letzter Druck: GEDICHTE 1960
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-d/02_006
- Seite / Blatt: 01r/v