Entstanden: 05. Dezember 1957

Nur in den ersten
Nächten des Frühlings erregt
der Gesang der Sibylle: 
„Wie unter Tiburs Bäumen, 
05 wenn da der Dichter sass 
und unter Götterträumen 
der Jahre Flucht vergass …“
die dürren Gebirge zum Grünen. 

Treibt den einen in die Hotelbar, die 
10 von Lippenrot heissen 
Schnäpse zu trinken. 

Den andern erregt sie, 
die rauhe Uralte 
selber im Tempel zu suchen: Sie hat sich 
15 in der Cella verborgen. // 04v
Und voll 
strahlt jetzt erst der Mond. Die Hänge 
dampfen; die Droge 
wäre jetzt wohl am stärksten. 

20 Doch ihn erschrecken 
Ruinen schon wieder, und Blüten 
fand er so üppig sonst nur auf Gräbern. 
Sogar die Kaskaden, sie fallen 
stumm vor der Stimme, 
25 die aus der Cella 
„wo ihn die Ulme kühlte 
und wo sie stolz und froh 
um Silberblüten spielte,
die Flut des Anio“
30 im Wachtraum heiser herabschreit.

SYNOPSE aller Fassungen:
Infos
  • Besonderes: Bräunliches Papier; Blatt beidseitig beschrieben
  • Letzter Druck: GEDICHTE 1960
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-d/02_025
  • Seite / Blatt: 04r/v