Entstanden: 24. November 1957

Nur in den ersten
Nächten des Frühlings erregt
der Gesang der Sibylle: 
„Wie unter Tiburs Bäumen, 
05 wenn da der Dichter sass 
und unter Götterträumen 
der Jahre Flucht vergass …“
die dürren Gebirge zum Grünen. 

Treibt den einen in die Hotelbar, die 
10 von langen Wimpern 
und schlecht geröteten Lippen 
erhitzten Schnäpse zu trinken. 

Den andern erregt sie, 
die rauhe Uralte, 
15 sie selber zu suchen: Er läuft 
zum Tempel. Sie hat sich // 03v
in der Cella verborgen. 
Voll strahlt jetzt erst 
der Mond, die Hänge 
20 duften, die Droge 
wäre vielleicht jetzt am stärksten. 

Doch ihn erschrecken 
Ruinen schon wieder, und Blüten 
fand er so üppig sonst nur auf Gräbern. 
25 Und selbst die Kaskaden; sie fallen 
stumm vor der Stimme, 
die aus dem Tempel die Strophe: 
„Wo ihn die Ulme kühlte 
und wo sie stolz und froh 
30 um Silberblüten spielte,
die Flut des Anio“
mechanisch heiser herabschreit.

SYNOPSE aller Fassungen:
Infos
  • Details: V. 27 dem Tempel] der Cella (Alternativ-Variante)
  • Besonderes: Bräunliches Papier; Blatt beidseitig beschrieben
  • Letzter Druck: GEDICHTE 1960
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-d/02_025
  • Seite / Blatt: 03r/v