Die Fischhändlerin leert
den Eimer aus auf die Strasse: das Wasser
kommt nicht auf gegen den heissen
Asphalt und ist, kaum
05 er es nur begriff, schon verdunstet.
Der Fisch aber war,
als man ihn fing heute früh,
gerade so weit gekommen:
„Seit ich einmal, von Licht und Wärme
10 gelockt, dorthin hinaufstiess,
von wo vor langem der Riese // 05v
viele der unsern erschlagend,
herabgestürzt war:
der Meteor, der seither, Seesterne
15 im Ohr, auf der Brust
Polypen, daliegt, das Bild eines Hochfischs …
Seit ich einmal hinaufstiess,
fürchte ich mich: Das Kühle
war nicht mehr da, mir erstarrten
20 die Kiemen. Die Flossen
fanden keinen Widerstand mehr,
sich fächelnd voran zu bewegen … .
Kam der Hochfisch von dort, gehn wir
alle dorthin und verlieren Kiemen und Flossen?
25 Durch wieviele Tode? // 06r
Vor kurzem sank ein kleiner und weicher
Hochfisch auf den grossen und harten:
eine Abart, schon geschwächt,
weil es jenseits im Leeren
30 auf die Dauer zu leben unmöglich?
Der Hochfisch war Übertreibung.
Unten muss man bleiben und die
durch Wärme und Licht
verdächtigen Höhen vermeiden.
35 Wohnen will ich von morgen
an in dem noch freien
Ohr des grossen Hochfischs. Dort ist
die Erinnerung Ansporn und Warnung zugleich. …“ // 06v
Hier war der Fisch heute früh,
40 gerade als man ihn fing.
Doch das Wasser, das die Händlerin ausgiesst,
kommt gegen den heissen
Asphalt der Strasse nicht auf
und ist, kaum er es nur
45 begriff, schon verdunstet.



