Nur in den ersten Nächten des Frühlings
singt die Sibylle: erregt
die dürren Gebirge zum Grünen.
Treibt meinen Nachbarn
05 in die Hotelbar zu den Schnäpsen,
zwischen langwimprigen Blicken [,]
und schlecht geröteten Lippen.
Mich regt sie auf, die rauhe, uralte,
sie selber zu suchen: Ich laufe
10 zum Tempel, sie hat sich in die Cella verborgen.
Der Mond aber strahlt jetzt erst
voll, die Hänge duften verderblich:
die Droge wirkt jetzt erst am stärksten. // 01v
Mich erschrecken
15 Ruinen schon wieder, und Blüten so üppig
findet man sonst nur auf Gräbern: Ich laufe
zu den Fällen des Anio: sie
überrauschen nicht die laute
Stimme, die aus der Cella
20 jene sanfteste Strophe
Hölderlins unerbittlich
heiser und hart in die Nacht schreit.

