Entstanden: 26. August 1957

Nur in den ersten Nächten des Frühlings
singt die Sibylle: erregt 
die dürren Gebirge zum Grünen. 
Treibt meinen Nachbarn 
05 in die Hotelbar zu den Schnäpsen, 
zwischen langwimprigen Blicken [,]
und schlecht geröteten Lippen. 

Mich regt sie auf, die rauhe, uralte, 
sie selber zu suchen: Ich laufe 
10 zum Tempel, sie hat sich in die Cella verborgen. 
Der Mond aber strahlt jetzt erst 
voll, die Hänge duften verderblich: 
die Droge wirkt jetzt erst am stärksten. // 01v
Mich erschrecken 
15 Ruinen schon wieder, und Blüten so üppig 
findet man sonst nur auf Gräbern: Ich laufe 
zu den Fällen des Anio: sie 
überrauschen nicht die laute 
Stimme, die aus der Cella 
20 jene sanfteste Strophe 
Hölderlins unerbittlich 
heiser und hart in die Nacht schreit.

SYNOPSE aller Fassungen:
Infos
  • Details: V. 07 schlecht] ungenau (Alternativ-Variante)
  • Besonderes: Bräunliches Papier; Blatt beidseitig beschrieben
  • Letzter Druck: GEDICHTE 1960
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-d/02_025
  • Seite / Blatt: 01r/v