Entstanden: 24. August 1957

Bist du schon so verroht,
Leser von Büchern, zu zweifeln 
am Sinn des Daseins für einen Menschen, 
der mit seiner Frau, die die Haare rot färbt, 
05 und dem sommersprossigen Söhnchen, 
das, den Mund von Erdbeereis ganz überschmiert, 
aus Biertellern ein Haus baut, 
im Garten sitzt und ruhig sein Bier trinkt?: 

Wenn nicht manchmal eine Bewegung 
10 seiner Schulter ihn als den Sohn der Sonne verriete, 
der auf Emesas Mauer den Purpur sich umwarf 
als die Soldaten den Gott jubelnd erkannten;
wenn nicht manchmal ein Glanz im Winkel des Augs 
und ein Zucken im Winkel des Munds ihn verriete 
15 als den gleichen Cäsar, der am Fenster 
des Palasts in Lutetia erstmals den Ruf // 01v
hörte: Augustus! – 

Vielleicht bist du schon so verroht, zu zweifeln, Leser von Büchern, 
bis das Lachen des Kinds,
20 sein Jubel über das Haus 
aus Biertellern, sich dir verrät 
als der Jubel der Legionen für Spenden, 
das Lächeln der Frau als das Lächeln der neu erhöhten Augusta, 
die Schaumkrone des Biers als der goldene Lorbeer: 

25 Vielleicht bist du durchs Lesen von Büchern schon so sehr verroht? 

„Nein, es ist die uralte Münze, 
doch diese Lösung hat sie für einmal gereinigt; kann sein, 
dass eine schärfere Lösung ein noch genaueres Bild zeigt.“

SYNOPSE aller Fassungen:
Infos
  • Besonderes: Bräunliches Papier; Blatt beidseitig beschrieben
  • Letzter Druck: GEDICHTE 1960
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-d/02_022
  • Seite / Blatt: 01r/v