Entstanden: 21. August 1957

Die Engel öffnen mein Glashaus zwar zuweilen,
aber nur, um mich sehr schnell hinauf in die Luft 
zu tragen, sodass mich beim Aufstieg oft die Zweige der Wipfel 
schmerzhaft peitschen 
05 und ich fürchte, ich stürze 
gleich in die Öllache vor der Tankstelle hinunter. 

Dort hupt man, dort ruft man 
und hört nicht den Zank, 
den die Nachbarsengel mit meinen Engeln aufrühren, 
10 sodass sie, allzu heftig auf- und abfahrend und zerrend 
mich wirklich fallen lassen, beinahe. 

Und wieder drinnen im Glashaus, mir schwitzen noch Hände und 
Füsse, gehts mir nicht besser: 
Wenn ich die Hand ausstrecke, 
um einen, der draussen vorbeigeht, zu grüssen, 
15 zerschlag ich in meiner Freude die Wand 
und werf ihm die Scherben grad ins Gesicht. 
Sodass er schleunig wegläuft und sich mit dem // 01v
Taschentuch das Blut von der Stirn wischt. – 

Meinen Engeln aber sehe ich an, obwohl sie nie etwas sagen, 
20 dass sie die Arbeit, schon wieder 
eine neue Scheibe zu schneiden und einzusetzen, 
mir heimzahlen beim nächsten Spazierflug.

SYNOPSE aller Fassungen:
Infos
  • Besonderes: Bräunliches Papier; Blatt beidseitig beschrieben
  • Letzter Druck: GEDICHTE 1960
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-d/02_018
  • Seite / Blatt: 01r/v