Entstanden: 09. April 1957

„Nicht dass ihr glaubt,
ich, der ich Alles leiste, 
brächte dies nicht zustande, 
was meiner Mutter gelang: 
05 einen Sohn aus meinem Leib zu gebären. 
Nur ihm will ich kundtun, warum 
der Zaubrer die Hunde vor meinem Thron 
zum Singen brachte und die steinernen Bilder 
auf dem Sims des Palastes zum Lachen. 
10 Ihm will ich es kundtun im Gespräch, 
das ich mit ihm führe geheim 
und innerlich vor seiner Geburt. 
Denn nur dieses Tragen, // 01v
nur dieser Schmerz erlaubt die notwendige Einung, 
15 daraus der Erbe meines Reiches hervorspringt, 
das stets nur ein Gott wie ich selber beherrsche.“

Spricht der Kaiser und bricht in das von den Ärzten 
schnell untergebreitete Goldtuch 
den Frosch mit Blut und vielem Gekotze.
20 „So aus Kot wächst die Schönheit, 
der Gott steht am Ende“
stöhnt der Kaiser, // 02
indes man den Frosch in Prozession 
bringt in die vorbereitete Kammer an der äusseren Mauer, 
25 Damit er dort, wachsend hinterm goldenen Gitter, 
empfange die Huldigungen des ein- und ausziehenden Volkes. 

Und am Tag, wo man den Kaiser, feiste, 
blutige Qualle, aufgeschlitzt fand am Boden, 
verbrannten den Frosch die Bürger der Vorstadt, 
30 verbrannten aus Furcht in Reisig den Erben des göttlichen Reiches.

SYNOPSE aller Fassungen:
Infos
  • Details: V. 07 Emendation: Zaubrer, → Zaubrer
  • Besonderes: Bräunliches Papier; Blatt 01 beidseitig beschrieben;
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-d/02_014
  • Seite / Blatt: 01r/v, 02