Den glänzenden Falter
trägt innen die unscheinbare
Nonnenraupe; als sie in der Vorhalle lange
gewartet hatte und, nun auf dem Platz es zu dämmern begonnen,
05 endlich an den Gendarmen vorbei, die in Gruppen zu vieren die
Drängenden ordnen,
eingedrungen war ins Herz, dessen Riesengewölb hinter Simsen
verborgene Lampen erleuchten:
in der reglosen Hitze nur vom dunkel
stockenden Blutstrom der Frommen aufrecht gehalten,
10 fängt sie jetzt endlich mit dem über
den Kopf emporgehaltenen kleinen
Spiegel – darin nie oder nur mit
schlechtem Gewissen sich selbst sie erblickte –
den weissen Greis weit vorn auf dem Thron
15 (man hat alle Fenster geschlossen, damit er sich nicht erkälte),
der die Menge französisch anspricht:
und sie jubelt ‚wie schöner doch ist‘ und
trägt ihn, Raupe den Falter, dann hinaus auf die Strasse,
blind für die im Wechsel helle, im Wechsel erloschne Monstranz
20 der die Reihen der Klosterschülerinnen von weitem
mit Kerzen entgegenziehn durch die Schwärme
der Autoglühwürmer, für den Neonring über jetzt lichten // 20
Laternen um die Silhouette des Mailänder Doms, der wieder
die rote Hostie ‚Motta‘, gelb werbend, umkränzt:
25 trägt ihn, bis dass sie, die Raupe,
selbst, eines sicheren Tags, ist ein glänzender Falter.

