Entstanden: 23. September 1954

Als die Nonnen,
nachdem sie lang in der Vorhalle gewartet
und endlich, da auf dem Platz es zu dunkeln begann, 
vorbei an den Polizisten, die in Gruppen zu vier die
Drängenden ordnen, 
05 dunkel stockiges Blut einströmten ins Herz, die riesige 
Kirche, deren Gewölb hinter Simsen verborgne 
Lampen erleuchten: 
Als die Nonnen nun endlich 
fingen auf in über die Köpfe emporgehaltnen 
10 kleinen Spiegeln – darin nie oder nur mit schlechtem 
Gewissen sich selbst sie erblickten – 
den weissen Greis weit vorn auf dem Thron, 
der französisch ansprach die Menge (und für den man 
alle Fenster geschlossen, damit er sich nicht erkälte), 
15 jubelten sie: „wie schön er doch ist“ und 
trugen, Raupen den Falter, ihn dann hinaus auf die Strasse, 
durch die zwei Reihen jetzt strahlender Strassenlaternen 
entgegen dem über allen im Wechsel aufleuchtenden und
erlöschenden 
Ring um die Silhouette des Mailänder Doms, 
20 der wirbt für Süsswaren „Motta“: // 04
tragen ihn noch, die unscheinbaren 
Raupen, ganz innen und innig ihn immer 
anschauend, bis dass sie, 
eines sicheren Tages, selber 
25 selber sind glänzende Falter.

Infos
  • Besonderes: Verso: Typoskripte↑ (Sebastian Franck, S. 51, 50)
  • Letzter Druck: Die verwandelten Schiffe 1957
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-c/08_035
  • Seite / Blatt: 03, 04