Auch ich hätte Kaiser von Japan werden können,
ich hätte – endlich – ein sicheres Einkommen gehabt,
und meine Liebe zum Prunk, zu aristokratischen Formen,
wie man häufig, sagt man, bei Bürgern von Republiken sie findet,
05 wäre voll auf ihre Rechnung gekommen.
Auch hätte mich ganz einfach die Macht über so viele gelockt,
die Möglichkeit zu edlen und rühmlichen Entschlüssen. –
Ich hätte Kaiser von Japan werden können, warum nicht?
Aber die Reise bis dorthin war mir zu weit,
10 und der Wechsel all meine Lebensgewohnheiten,
die Vorstellung, auf einmal in Bilderschrift schreiben zu müssen
(die, wenn ich recht verstehe, den Gedanken und das Bild festhält,
nicht den Sprechlaut, so abstrakt ist sie)
widerstrebten meiner Trägheit und auch
15 meiner Angst vor dem Unberechenbaren, ganz Fremden.
Und dazu die Pflichten der Repräsentation,
die mir verböten, vielleicht,
hinüberzusehen, wie jetzt eben, in den Spiegel, worin
die rote Wand der Garage von jenseits der Strasse
20 nicht vermag den Regentag zu erhellen und die
Sonnenstore, die man offenbar hochzuziehen vergass,
nun dunkel und düster über die Scheiben herabhängt // 04
und trieft, eine tiefe Wiederholung der Wolken.
Die dort hinüberzusehn mir verböten vielleicht:
25 darum vor allem
zog ich schliesslich es vor, nicht Kaiser von Japan zu werden.
Einfall (B)
- Details
- Konvolut: Manuskripte 1954
- Besonderes: Verso: Typoskripte↑ (Sebastian Franck, S. 48, 47)
- Letzter Druck: Unpubliziert
- Textart: Verse
- Datierung: vollständig
- Fassung: Zwischenfassung
- Schreibzeug: Bleistift
- Signatur: A-5-c/08_031
- Seite / Blatt: 03, 04

B Einfall
Auch ich hätte Kaiser von Japan werden können,
ich hätte – endlich – ein sicheres Einkommen gehabt,
und meine Liebe zum Prunk, zu aristokratischen Formen,
wie man häufig, sagt man, bei Bürgern von Republiken sie findet,
wäre vvoll
05 wäre völlig auf ihre Rechnung gekommen.
Auch hätte mich ganz einfach die Macht über so viele gelockt,
die Möglichkeit zu edlen und rühmlichen Entschlüssen. –
Ich hätte Kaiser
Ich hätte Kaiser von Japan werden können, warum nicht?
Aber die Reise bis dorthin war mir zu weit,
10 und der Wechsel all meine Lebensgewohnheiten,
deri Vorstellung
derie Gedanke, auf einmal in Bilderschrift schreiben zu müssen
(die, wenn ich recht verstehe, den Gedanken und das Bild festhält,
nicht den Sprechlaut, so abstrakt ist sie)
widerstrebten meiner Trägheit und auch
15 meiner Angst vor dem Unberechenbaren, ganz Fremden.
Und dazu die Pflichten der Repräsentation,
die mir verböten, vielleicht,
hinüberzusehen, wie jetzt eben, in den Spiegel, worin
die rote Wand der Garage von jenseits der Strasse
20 nicht vermag den Regentag zu erhellen und die
Sonnenstore, die man offenbar hochzuziehen vergass,
nun dunkel und düster über die Scheiben herabhängt //

B Einfall 2
und trieft, eine tiefe Wiederholung der Wolken;.
dDie dort|hinüberzusehn mir verböten vielleicht:
25 darum vor allem
zog ich schliesslich es vor, nicht Kaiser von Japan zu werden.
24.9.54
Inhalt: 205 Manuskripte und 25 Typoskripte zu 33 Gedichten (3 Endfassungen)
Datierung: 1.1.1954 – 27.12.1954
Textträger: 271 Einzelblätter (A4-Format)
Umfang: 36 Dossiers, 270 beschriebene Seiten
Publikation: Die verwandelten Schiffe (15 Gedichte), Verstreutes (3 Gedichte)
Signatur: A-5-c/08 (Schachtel 35)
Herkunft: Mappe EG 54 I, EG 54 II
Wiedergabe: Edierte Texte, Abbildungen, Umschriften