Entstanden: 16. Dezember 1954

Das Motorboot dringt
in den engen Kanal, der flüchtet
in springenden Wellen 
hinauf an die Mauern des Hauses, 
05 wo noch immer Sirenentöne auf den 
Treppen nachheulend kauern, 
wenn draussen nur noch Ölflecke 
dirnenhaft die badenden Knaben beschmutzen. 

Aber noch schüttelt der Engel, 
10 durch die Zimmer angstfiebrig irrend, 
das kahle Gezweig der 
dicht verwachsnen, vergilbten 
Palmtagbüsche, die seit Jahrzehnten 
trostlos wuchern und, toter Urwald, 
15 die Gänge undurchdringlich verwirren.

Schüttelt, obwohl ihm die Zweige 
die feine Wäsche zerreissen, 
bis ihm eine Spinne auf den rosigen, 
von Spitzen zärtlich gefassten 
20 Marzipan-Schenkel hinabfällt. 
Nun steht er im Glashaus des Grauens 
und rührt, damit es nicht zerbreche,
nicht Finger und Fittich. // 02

Den Knaben, die kehren vom Bad 
25 im Kanal und verwundert rufen: 
Was nun steht unter Glas dieser Engel, 
lacht die Mutter: Warum wohl? 
So wird er nicht staubig.

SYNOPSE aller Fassungen:
Infos
  • Besonderes: Vgl. Das Glashaus (GEDICHTE)
    Verso: Typoskripte↑ (Sebastian Franck, S. 109, 108)
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-c/08_036
  • Seite / Blatt: 01, 02