Entstanden: 24. August 1954

Auch ich hätte Kaiser von Japan werden können,
ich hätte – endlich – ein sicheres Einkommen gehabt 
und meine Liebe zum Prunk, zu aristokratischen Formen, 
wie man häufig, sagt man, bei Bürgern von Republiken sie findet, 
05 wäre völlig auf ihre Rechnung gekommen. 
Auch hätte mich ganz einfach die Macht über so viele gelockt, 
die Möglichkeit zu edlen und rühmlichen Entschlüssen. – 
Ich hätte Kaiser von Japan werden können, warum nicht? 
Aber die Reise bis dorthin war mir zu weit, 
10 und der Wechsel all meiner Lebensgewohnheiten, 
der Gedanke, auf einmal in Bilderschrift schreiben zu müssen 
(die, wenn ich recht verstehe, den Gedanken und das Bild festhält, 
nicht den Sprechlaut, so abstrakt ist sie) 
widerstrebten meiner Trägheit und auch 
15 meiner Angst vor dem Unberechenbaren, ganz Fremden. 
Und dazu die Pflichten der Repräsentation, 
die mir verböten vielleicht 
hinüberzusehen, wie jetzt eben, in den Spiegel, worin 
die rote Wand der Garage von jenseits der Strasse 
20 nicht vermag den Regentag zu erhellen und die 
Sonnenstore, die man offenbar hochzuziehen vergass, 
nun dunkel und düster über die Scheiben herabhängt 
und trieft, eine tiefe Wiederholung der Wolken. –  // 02
Dort hinüber zu sehen mir verböten, vielleicht: darum vor allem 
25 zog ich schliesslich es vor, nicht Kaiser von Japan zu werden.

SYNOPSE aller Fassungen:
Infos
  • Besonderes: Verso: Typoskripte↑ (Sebastian Franck, S. 99, 98)
  • Letzter Druck: Unpubliziert
  • Textart: Verse
  • Datierung: vollständig
  • Fassung: Zwischenfassung
  • Schreibzeug: Bleistift
  • Signatur: A-5-c/08_031
  • Seite / Blatt: 01, 02