Vom Tisch, wo sie den Freundinnen rühmte
das Flugzeug, das aus Detroit
– in Michigan liegt es, einem Land in den Staaten wie Schwaben
in Deutschland –
sie brachte, die Kinder Barbara und Christofer
05 den Eltern zu zeigen,
warf sie hinüber zu ihm die beweglichen Augen,
den Kopf und die Hand mit den Ringen
schnell regend, immer noch wie
damals, als er im Garten des August
10 hinabsprach aus dem Netz,
das sie von unten spielerisch anstieß;
nur sprach, damit sie
schlüge ihm auf die dunkel beweglichen Augen
und rege den Kopf und die schnelle Hand ohne Ringe.
15 Wie sie jetzt aufschlug und regte da drüben
über Detroit und über dem Flugzeug nach Schwaben
und ihn nicht erkannte:
Der aufstand und, verstört, fast zu bezahlen vergaß,
weil er nicht länger ertrug, zurückzuschaun
20 auf das wiegende Nachtgartennetz des August.
AUGENBLICK
- Details
- Konvolut: Die verwandelten Schiffe 1957
- Details: Identischer Text auch auf Separatabzug (vermutlich Hortulus) (D-3-b-01/b)
- Letzter Druck: Die verwandelten Schiffe 1957
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Seite / Blatt: 41
- Textnummer: 031
- Werke / Chronos: Bd.1, 61
Titel: Die verwandelten Schiffe / GEDICHTE
Verlag: Hermann Luchterhand Verlag, Darmstadt, Berlin-Frohnau, Neuwied (1957)
Druck: Wiking Druckerei GmbH, Darmstadt
Inhalt: 48 Gedichte; vorangestelltes Motto (Aeneis-Zitat); Klappentext von Raeber (vgl. Umschlag)
Textträger: Broschüre mit Zeichnung auf vorderem Umschlag, 64 Ss
Vorstufen: Notizbuch 1952-54, 1954-55, 1955-57, Manuskripte 1953, 1954, 1955, 1956, Typoskripte 1954
Kommentar: Tantiemen-Vertrag: 31.12.1956
Wiedergabe: Freie Handhabung des Zeilenumbruchs bei Langversen
Vorangestelltes Motto: AENEIS X, 219-223:
Atque illi medio in spatio chorus ecce suarum
Occurrit comitum: Nymphae, quas alma Cybele
Numen habere maris, Nymphasque e navibus esse
Iusserat, innabant pariter, fluctusque secabant,
Quot prius aeratae steterant ad litora prorae.
Das Inhaltsverzeichnis (S. 62/63) unterteilt Römische Reklamen (S. 36/37) und Artisten (S. 38/39) nicht und führt nur 47 Titel auf.
Auf der Umschlagsklappe vorne und hinten (U2, U3) ist ein programmatischer Text Raebers abgedruckt:
Ein erster Versuch im Mai 1956, die Sammlung bei der Deutschen Verlagsanstalt unterzubringen, scheiterte. Tagebucheintragung, 17.5.1956:
Die DVA schickt mir die Gedichte mit einer schroffen Ablehnung zurück: das seien gar keine Gedichte, es handle sich um eine Aneinanderreihung und Verkoppelung von Einzelheiten, um mehr nicht, usw. –
Am 30.10.1956 versprach Heinz Schöffler, trotz der Schwierigket mit Lyrikbänden eine Realisierungsmöglichkeit zu suchen (B-4-C-GEDI_009), am 28.12.1956 wurde Raeber der Verlagsvertrag zur Unterzeichnung zugestellt (ebd.).
Am 12.1.1968 teilte die Verlagsleitung des Luchterhand Verlags Raeber mit, "die noch vorhandenen rd. 950 gebundenen Exemplare an das moderne Antiquariat abzugeben", da der Absatz weit hinter den Verkaufserwartungen zurückgeblieben sei (B-4-c-SCHIFF).
Nachdruck von 6 Gedichten in Texte und Zeichen (1957, H. 3).