Alemannische Gedichte 1985

(= Abgewandt Zugewandt — Zweiter Teil: Alemannische Gedichte)
Titel: Abgewandt Zugewandt / Neue Gedichte / Hochdeutsch und Luzerner Alemannisch
Verlag: Ammann Verlag AG, Zürich (1985)
Druck: Benziger AG, Einsiedeln
Inhalt: 36 Mundart-Gedichte (+ 52 hochdeutsche Gedichte + Essay)
Textträger: Kartoniertes Bändchen mit Umschlag-Porträt, Spaltentexte, 128 Ss;
S. 5-61 Hochdeutsche Gedichte; S. 63-102 Alemannische Gedichte, S. 104-122 Nachwort über das schweizerische Sprachdilemma
Vorstufen: Notizbuch 1979-82, Manuskripte 1979-1983, Typoskripte 1983
Kommentar: Zur Entstehung der Publikation vgl. Raebers Typoskript Zur Entstehung
Umschlag vorn mit Autoren-Porträt (R. Hilgering)
Druckvorstufen
A-5-h/04 – Typoskripte
Titelblätter + Nachwort ("Vortyposkript")
Dossier 1: ABGEWANDT ZUGEWANDT – Zur Entstehung (4 Kopien)
Dossier 2: Abteilungstitel (2 Kopien) + Inhaltsverzeichnis (wie A-5-h/05_001)(Die ersten achtzehn Gedichte entstanden zwischen dem 7. Dezember 1980 und dem 11. Februar 1981, noch während ich an "Vor Anker" arbeitete, der Rest nach Beendigung des Stücks seit dem 18. September 1981.Zum Essay über das schweizerische Sprachdilemma machte ich neben der Arbeit an den Gedichten fortwährend Notizen, die Erstfassung schrieb ich dann zwischen dem 14. Juli und dem 25. August 1982. Die Schlussfassung wurde am 25. Februar 1983 beendet.)
Dossier 3: Buchtitel (3 Durchschläge)
Dossier 4: Nachwort (Typoskript mit Direktkorrekturen und hs Korrekturen; von Hand numeriert S. 2-20, datiert 25.2.1983; S. 1 ausgelagert in Dossier 5. Kopie in Dossier 5 und A-5-h/05_017)
Dossier 5: - Bl. 1 (Beginn Nachwort; Typoskript; vgl. Doss. 4, Titel hs ergänzt: Hochsprache und Dialekt – ein schweizerisches Problem)
- Bl. 2ff. Nachwort, pag. S. 1-20 (Kopie von Do.. 4, mit weiteren Bleistiftkorrekturen, vermutlich von fremder Hand, im Druck nicht berücksichtigt.
Dossier 6: Nachwort (Kopie wie Doss. 5); ebenso Dossier 7 und 8.
A-5-h/05 I – Typoskripte
Fotokopien des vollständigen Typoskripts mit Titelei, Inhaltsverzeichnis, Nachwort
Dossier 1-17, pro Dossier mehrere Blätter
Dossier 1: Titelei
Dossier 2-9: HOCHDEUTSCHE GEDICHTE
Dossier 10: ALEMANNISCHE GEDICHTE (Titel)
Dossier 11-16: ALEMANNISCHE GEDICHTE
Dossier 17: Nachwort (S. 97-116)
Roter Umschlag: Kuno Raeber / ABGEWANDT ZUGEWANDT / (Typoskript 116 SS.)
Titel: KUNO RAEBER / ABGEWANDT ZUGEWANDT / Neue Gedichte – Hochdeutsch und Luzerner Alemannisch / Mit einem Nachwort über das schweizerische Sprachdilemma
Inhaltsverzeichnis: zweispaltig (HOCHDEUTSCHE GEDICHTE: | ALEMANNISCHE GEDICHTE:); Titel mit Raebers Paginierung versehen:
53) Frankfurt am Main I / Der Adler
55) Frankfurt am Main II / Der Vierzehnte Juli
usw.
Von Texttiteln abweichende Schreibungen:
68) Wötsche Verwötsche
83) Schtrooss
Textseiten aoR Mitte von Hand durchnumeriert: 3-56 (Hochdeutsche Gedichte), 58-95 (Alemannische Gedichte), 97-116 (Nachwort); je ein Gedicht pro Blatt (außer Frankfurt am Main I und II, Schwören, Neu York IV), längere Texte auR gedrängt;
Gedichttitel in Versalien; Zyklentitel bei jedem Zyklengedicht wiederholt:
BESCHWÖRUNG / I
BESCHWÖRUNG / II
Tilgungen im getippten Text durch xxx; manuell durch Filzstift; einzelne Korrekturen von Hand eingefügt, häufig die Änderung des Zeilenumbruchs betreffend (Abweichungen vom Drucktext werden bei der Wiedergabe des Erstdrucks angegeben).
Besonderheiten der Schreibung: überall schweizerisches ss für ß (Strasse), i-Diphtong bei Mundartgedichten (Liëcht) als ië (ö, durch e überschrieben o. umgekehrt); ië nicht in den Druck übernommen
A-5-h/05 II – Typoskripte
Kopien wie I, gleicher roter Umschlag, gleiche Dossier-Anordnung
Dossier 18-32, gleiche Aufteilung wie I
A-5-h/06 – Typoskripte
Kopien wie A-5-h/05, Dossier 1-13 gleich angeordnet, 14-16 in Dossier 14 zusammengefasst, Dossier 15 (Nachwort), Dossier 10 zusätzlich eingeschoben für Zwischentitel
Blassroter Umschlag: Abgewandt Zugewandt / (Druckmanuskript) / (116 SS.) / Kuno Raeber, Ainwillerstrasse 1, D-8000 München 40 / Tel 004989 /39 3351
Manuelle Einfügung von Titeln bei einigen Zyklengedichten: Beschwörung I (DIE KUGEL), New York IV (SAUGEN), New York V (HÄUTE), New York VI (DIE PYRAMIDE) ev. erst nachträglich, und dann auch in die Korrekturbogen übertragen, aber nicht in den Druck übernommen.
A-5-h/07 – Druckmanuskript (für Textwiedergabe verwendet)
Durchschläge (z.T. Kopien) der Typoskripte von A-5-h/0, mit satztechnischen Auszeichnungen und gestempelten Blattnummern (00001-00119); Titelei vom Verlag; oben Paginierung durch Raeber (3-116).
- Dossier 1-9 HOCHDEUTSCHE GEDICHTE (wie A-5-h/05),
- Dossier 10-13 ALEMANNISCHE GEDICHTE (ohne sep. Titelei)
- Dossier 14 Nachwort.
Besonderheit: diphtongiertes "ië" bei den Mundartgedichten als überschriebenes "iö" dargestellt, z. t. mit Bleistift (Setzer) zu "ie" korrigiert (vgl. v.a. bei SCHTROOSS); auch Verdeutlichungen mit Bleistift
A-5-h/08
8 Dossiers mit ausgewählten Kopien: 11, 15, 16, 18, 19, 21, 22, 26, 28, 30, 31, 34, 35, 36, 40, 46-51, 61, 63, 64, 65, 66, 68-73, 76, 77, 80-83, 88, 89, 92, Nachwort
Roter Umschlag
Dossier 2:
Inhaltsverzeichnis mit hs Angaben von Zeitschriften (NZZ: 3, 9, 22, 26, 30, 33 (durchgestrichen), 37 (durchgestrichen), 40, 51, 64, 70 (durchgestrichen), 72, 83 (durchgestrichen), 89, 92; FAZ: 4, 6, 8, 38, 39, 41, 42, 43, 44, 45)
Durchschlag: Zur Entstehung
A-5-h/09 – Korrekturbogen
Roter Umschlag: Abgewandt Zugewandt / (mit handschr. Vorbemerkung) / (Probeabzug?)
Je 2 nebeneinander abgesetzte Seiten pro A4-Blatt, mit definitivem Satz und Seitenzählung (6-61, 65-100, 102-121). Im Mundart-Teil wird die ss-Schreibung beibehalten, ië hingegen in ie aufgelöst, wodurch es mit dem langen i (ie) zusammenfällt.
Handschriftliche Korrekturen, auch z. T. Eintragung der schon im Typoskript eingefügten zusätzlichen Titel (S. 41 Saugen, S. 44 Häute).
Anpassung der Gedichttitel an Spaltenformat
Einzelne Korrekturen:
S. 7 BESCHWÖRUNGEN → BESCHWÖRUNG
S. 13: Hacke → Jacke
S. 40: Zypresse jedoch → Zypresse
S. 41: nirgendwo aber → nirgendwo
S. 80: e d Hofchele ome → om d Hofchele ome
S. 95: nämlich → nämlech
S. 102: töndsi → töndsdi / de töndsdi → töndsi
Inhaltsverzeichnis: definitive Seitenzahlen; Korrektur: Rom IV-6 → Rom IV-V
Notat auf Blatt HOCHDEUTSCHE GEDICHTE (verso):
Dialektproblem seit Kindheit. Wie heisst es? Heftige Abneigung dagegen. Dann, in der langen Abwesenheit, Nachdenken. Vergleichen. Veränderung der Welt. Weltkultur statt Nationalkultur. Als Gegenbewegung Rückzug ins Lokale. Darüber nachher anhand des Nachworts. Für mich persönlich aber auch ein Zurücktauchen in die Kindheit, in eine Erinnerung an etwas, das es so natürlich nie gab Reinkarnation? Erinnerung an ein früheres Leben. Grotesk und absurd auch. Die Ängste der Kindheit. Abgewandt + Zugewandt
A-5-h/10 – Kontrollabzug vom Film
30 A3-Blätter, Computerausdruck vom 1. März 1985 mit Zeilenzähler; Titelkorrektur: Mit einem Essay → Nachwort
Inhaltsverzeichnis ohne Seitenangaben; Korrektur: em Empire State → am Empire State
Zyklentitel bei Einzelgedichten wiederholt
Sp. 4 Titel: Beschwörungen → Beschwörung / Untertitel (Die Kugel) gestrichen
Sp. 27 Alemanische Gedichte → Alemannische Gedichte
Sp. 28 was gorgelet → wes gorgelet (Lose ond luege, V. 02)
Sp. 34 ond meht → ond met (Pfadfender, V. 10)
Sp. 42 töndsi → töndsdi (Amschterdam, V. 21)
Klappentext (vorn):
Dieses Gedichtbuch ist in zweierlei Hinsicht ungewöhnlich: einmal versammelt Kuno Raeber darin neue hochdeutsche Gedichte, zum andern treten zu diesen, und durchaus eigenständig, Versuche des Autors in seiner Mundart, dem Luzerner Alemannischen, hinzu.
Seit vier Jahren beschäftigt sich Kuno Raeber mit der Mundart und experimentiert mit ihr für seine künstlerische Botschaft. Diese Mundarttexte sind nicht nur Übersetzungen der hochdeutschen Gedichte, es sind vielmehr dichterische Gebilde, die nur so und in dieser Sprache verfasst werden wollen.
So sind in Abgewandt Zugewandt zwei Gedichtbücher vereinigt, in zwei Sprachen geschrieben, die miteinander den Autor gemeinsam haben, deren Welt zwar dieselbe und doch nicht die eine ist. Was unserm Buch den Titel gibt, das Bild des Abwendens und des Zuwendens, das thematisiert der Autor in seinem Nachwort über das schweizerische Sprachdilemma, was hier stellvertretend für andere Regionen des deutschen Sprachraums gelesen werden kann.
Tages-Anzeiger, 27.6.1985
(mit Abdruck von Abgewandt Zugewandt und Neu York IV)
Dialekt, Schriftsprache, Nation
Der in München lebende Schweizer Schriftsteller Kuno Raeber hat in diesem Frühjahr einen Gedichtband vorgelegt, der in zweierlei Hinsicht ungewöhnlich ist. Zum einen vereinigt er hochdeutsche und Gedichte in Luzerner Mundart. Zum anderen enthält er – sozusagen als eigenständiges drittes Kapitel – ein lesenswertes und, zumindest in seinem deskriptiven Teil, auch ebenso informatives wie scharfsichtiges «Nachwort über das schweizerische Sprachdilemma»: Sprachtheorie und artistische Sprachpraxis in einem Buch, vereinigt unter einem sphinxhaften Doppeltitel, der auf inhaltliche Spannung und ästhetischen Reiz hindeuten will.
Die hochdeutschen Gedichte sind auffällig mit Welt und Geschichte aufgeladen. New York, Rom, Frankfurt, der Punische Krieg sind die Stationen, die von der poetischen Imagination begangen werden. Mitunter bedienen sie sich einer für mein Empfinden zu modernistischen Attitüde, des Sprachgestus einer Avantgarde, die schon ein wenig verstaubt wirkt. Sie sind befrachtet mit den Signalwörtern abendländischer Kultur und brechen ihre Zeilen gerne gegen den Duktus des Sprachverlaufs. Die kürzeren Gedichte – etwa jene über Rom – bestechen durch ihre Verdichtung, andere Stücke wirken auf mich rhetorisch spröde und prosaisch.
Anders die Dialektgedichte. Die dürfen ihre Zeilen häufiger bis zum Ende auslaufen. Aus «New York» wird «Neu York», und Weltläufigkeit schrumpft noch an den entferntesten Orten («Escorial», «Amschterdam») zur Reise in einen begrenzten alemannischen Kosmos. Naive Beharrung statt endzeitlicher Weltklugheit: Das andere Idiom erzeugt offenbar sein eigenes Klima.
Die Kluft zwischen gehörter und gelesener, gesprochener und geschriebener Sprache endlich zu überwinden, empfiehlt Raeber in seinem Nachwort. Und er nennt auch […] das Mittel: die Ersetzung der bisherigen, ungeliebten Schriftsprache durch den Dialekt. […]
Jochen Kelter
Wemmer die lang
Schtrooss hedmer de Hemel
wemmer die lang ond
breit Schtrooss hedmer de Hemel als Teckel
05 wemmer die lang ond breit ond
schnuergrad Schtrooss hedmer de Hemel
als isige Teckel wemmer
die lang ond breit ond schnuergrad ond lähr
Schtrooss hedmer de Hemel
10 als isige schwäre
Teckel öberem Chopf ond
wemmer die lang
wemmer die breit
wemmer die schnuergrad
15 wemmer die lähr ond
chond a kes Ändi.
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Details: Titel emendiert: "Schtross → Schtrooss" (entsprechend Inhaltsverzeichnis Typoskripte 1983 und Manuskripte 1979-83); vgl. dagegen die Schreibung "Schtrohsse" in "Är heig, V. 19
- Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Seite / Blatt: 90
- Textnummer: 077
- Textverweis: ÄR HEIG – För e Fabius von Gugel
- Werke / Chronos: Bd.1, 380
D Gottere zuegmacht ond
abegloh d Rüs
abe ond d Aare ond de
Rhin abegloh emmer
05 witer abe bes
abe zom Meer ond deh
use es Meer gloh ond emmer
ond emmer witer ond emmer
witer metere use bes es
10 wit omenand kei
Ensle meh hed ond keis Scheff
ond au kei Vogel ond deh
d Gottere ufgmacht:
De Schwan wener usechond us de
15 Gottere lueg ond wener
de Hals schtreckt ond ruig als wärs
nor vo Wäggis of Vetznau eifach
devo tued schwemme ond wit
wit osse verschwende.
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Seite / Blatt: 91
- Textnummer: 078
- Werke / Chronos: Bd.1, 381
Lieber ned ome
gosle em Chöbel ond Wasser
dri tue ond emmer
meh Wasser bes de
05 Chöbel ganz voll esch ond
glatt ond
glänzig vo eim
Rand zom
andere Rand ond deh meteme wiesse
10 Papierscheffli öbere fahre vo eim
Rand zom andere
Rand ond nüd
gseh ond nüd
wösse vo dene
15 grusige Wörm wo
ome tönd chrüche
donde
am Bode vom Chöbel.
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Seite / Blatt: 92
- Textnummer: 079
- Werke / Chronos: Bd.1, 382
För e Fabius von Gugel
Är heig
nümeh tänkt ond
nümeh welle ond
alles lo si ond
05 alles vergässe
är sig onder de Brogg
gsässe ond heig
die ganz Nacht s Wasser
agluegt wes a ehm verbi
10 gloffe sig ond
gruscht heig ond
gschtrudlet är heig
nümeh tänkt ond
nümeh welle ond
15 alles lo si ond
alles vergässe ond metem
Wasser heigers
abe lo laufe de Floss
abe ond d Schtrohsse-
20 lampe dobe ofem
Trottoir am Gländer wenn si
gwagglet heigid em Wend deh
heiger gmeint das sigid
Tschogger wo ehn
25 chämid cho hole
aber das wär ehm
ganz glich gsi är heig
nümeh tänkt ond
nümeh welle ond
30 alles lo si ond
alles vergässe ond nome
no d Füess lo
abeplampe es Wasser.
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Besonderes:
Seitennummer weggelassen (Platzproblem, in Korrekturbogen angemerkt)
Fabius von Gugel: Zeichner und Grafiker (1910-2000), mit Raeber befreundet - Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Seite / Blatt: 93
- Textnummer: 080
- Werke / Chronos: Bd.1, 383-384 / Dieses enorme Gedicht, 225
Was förnes Schlöttli
ond onderem Schlöttli
was förnes Gschtältli
hesch amel agha?
05 Meteme Schlöttli
ond meteme Gschtältli
onderem Schlöttli
sigisch usegange e
Husgang use
10 ond sigisch abe
gange d Schtäge
abe ond mängisch
sigisch au oni
Schlöttli ond oni
15 Gschtältli abe
gange ond e Hof
usegange ond dosse
em Hof heigisch em Gösel-
chöbel omegöslet die ganz
20 Nacht ond niemer
heig trout öppis z säge
ganz blott
heigisch em Gösel-
chöbel voll Gösel
25 omegöslet jo säg
was förnes Schlöttli
ond onderem Schlöttli
was förnes Gschtältli
hesch amel agha
30 säg emol säg?
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Seite / Blatt: 94
- Textnummer: 081
- Werke / Chronos: Bd.1, 385
Zmetzt enne
tänkt mer
wemmer emmer
witer ond witer
05 chond am Ändi de See
zmetzt enne em Wald
ond ke Wäg meh
ond nome Brögel ond nome
Escht aber jo ned
10 schtörchle jetzt chond
nämlech zmetzt enne schtell
ond rond we de Vollmond
ond wen jetzt nome tänkt mer ond emmer
witer ond witer
15 ine e Wald ond ke
Wäg meh ond nome
Brögel ond nome Escht
ond wen jetzt nome tänkt mer
jo ned schtörchle zmetzt enne
20 chond jetzt nämlech am Ändi
de See schtell ond
rond we de Vollmond wen jetz
nome tänkt mer
nümeh wörd andersch ond alles
25 emmer ond ewig tänkt mer
wörd grad eso blibe we s esch.
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Details:
V. 10, 13, 18, 20 jetzt: in Typoskript 1983 jetz, (wie V. 22);
V. 20 nämlich → nämlech - Besonderes: Titel im Typoskript zuerst: MER TÄNKT
- Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Seite / Blatt: 95
- Textnummer: 082
- Werke / Chronos: Bd.1, 386
Oder went donde dor t Chäller
tühssälisch ond öppe e Chatz
wo schloft ewägg schöpsisch
oder au en es Näscht voll
05 Müs ine trampisch chontsch
zletscht zo de Glas-
chäschte met ustrochnete
Libere dren ond si hend keini
Hor meh ond d Chleider send nor no
10 Lömpe oni
Farbe we Schabe s esch grusig
tonkel donde du ghörsch nor
wes chröschpelet onder de Schuene.
Ond deh ganz vore of einisch e chli
15 Liecht vo obe e ängi
Schtäge ond dobe
e Töre: wie gohts do of einisch
wit wit use ond vel
monzegi Sommer-
20 vögäli us de
Bösche vöre e
Wolke e wiessi.
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Seite / Blatt: 96
- Textnummer: 083
- Textverweis: Escorial / I
- Werke / Chronos: Bd.1, 387 / Dieses enorme Gedicht, 220
Gönder öbere
gönder ond hender
ke Angscht det äne
heigs nümeh heigs nüd
05 ond nümeh vo dem was es bes jetz
emmer gha hed es
Hus ond es Liecht
ond mängisch
e Wolke?
10 Ond de chömeder a ond s esch
alles glichlig we do do
esch det ond det esch
do. Nor d Loft do d Loft
det esch liechter ond
15 d Hüser send
höcher ond d Lüt
gschneller ond merkid
emmer no öppis si send
alli trurig
20 wellsi scho do send: wohee
chöntetsi go?
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Zyklus: ja
- Seite / Blatt: 97
- Textnummer: 084
- Werke / Chronos: Bd.1, 388 / Dieses enorme Gedicht, 209
Hender die tonkle
Höf gseh die schwarze
Seck ganz donde ond dröbert
die glänzige Törm
05 eine am andere? Si nämid
si hebedech uf si
hebedech ufe kei
Angscht abezgheie ganz obe
gändsech eine
10 em andere witer ond scho
sender em Hemel.
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Zyklus: ja
- Seite / Blatt: 98
- Textnummer: 085
- Werke / Chronos: Bd.1, 389 / Dieses enorme Gedicht, 210
Nome ned vöre
tröcke ond schön
zhenderisch e de Schlange
blibe du chontsch
05 no früe gnueg vöre eso ond of einisch
schtosch z vorderscht ond muesch
ufe go ufe deh muesch
die ganz Schtäge deh muesch
Trett für Trett eine
10 ufe nochem andere
schtige ond gar
niemer esch deh no vorder du chantsch
nömme henderzi chantsch
nömme absi du besch
15 elei dobe du besch
ganz elei zoberscht si henti
du chantsch nömme zrogg si
nänti si henti.
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Zyklus: ja
- Seite / Blatt: 99
- Textnummer: 086
- Textverweis: New York / VI
- Werke / Chronos: Bd.1, 390 / Dieses enorme Gedicht, 211
Ond deh hani Angscht öbercho ond ha
tänkt es esch alles
glichlig we emmer es esch
alles glichlig we emmer ond esch
05 alles ganz andrisch es esch
alles do wos emmer gsi esch d Wolke-
chratzer on d Subway
ond au de Gschmack jo
vor allem dä komisch
10 Gschmack us all ne
Schächte ufe us allne
Hüsere use ond wemmer
denne esch e de Hüsere vo de
Schtross dor d Fenschter
15 ine dä Gschmack dä
komisch Gschmack we vo frömde vo
scho lang vertorete frömde
Blueme dä komisch dä süesslech
Gschmack dä esch au emmer no glichlig ond är
20 esch anderisch alles
esch ganz anderisch die
gwagglige farbige Hüsli zwösche de
Wolkechratzere enne ond die verrockt
toskanisch Villa of dem
25 alte Wolkechrätzerli obe em Village
alles alles esch glichlig ond de
Gschmack dä komisch dä süesslech
Gschmack us de Schächte use ond us de
Hüsere use ond dor alli
30 Fenschter ine e d Hüser
esch glichlig wener
emmer gsi esch ond esch
ganz andrisch alles // 101
ganz andrisch ond ech
35 ha Angscht öbercho
öb ech öppe nömme
de glichlig sig ond öb ech öppe of einisch
e andere sig e
grusigi Angscht.
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Details:
V. 03 Emendation: glichlich → glichlig (Druckmanuskript A-5-h-/05)
V. 34 Typoskript 1983: esch ganz andrisch ond ech - Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Zyklus: ja
- Seite / Blatt: 100, 101
- Textnummer: 087
- Werke / Chronos: Bd.1, 391-392 / Dieses enorme Gedicht, 213
- Nachdruck: Tagesanzeiger, 27.6.1985
O die choge
Grachte vo
Amschterdam wie
grau ond trurig die
05 riesige
Chele ond alli
zue ond dromome e allne
Fenschtere blotti
Liber oder au nome
10 Schtöck vonene Schwänz
ond Votze ond Bröscht ond
Chöpf met
offene Mülere suber
e Zelofan ipackt.
15 O die choge
Grachte vo
Amschterdam wie
grau ond
trurig muesch nome die ganz
20 Nacht drof fahre a kener
Ländi usschtige de töndsdi
velecht ned verschtöckle ond ned
usschtelle ond ned
eis Teil oms ander voder töndsi
25 de ned verchaufe
velecht.
- Details
- Konvolut: Alemannische Gedichte 1985
- Letzter Druck: Abgewandt Zugewandt 1985
- Textart: Verse
- Datierung: pauschal (Konvolut)
- Fassung: Letzte Fassung
- Mundart: ja
- Seite / Blatt: 102
- Textnummer: 088
- Werke / Chronos: Bd.1, 393 / Dieses enorme Gedicht, 214