Positaneser Elegie

Synopse

  • Positaneser Elegie

    Notizbuch 1958-61 — Entstanden: 07. November 1960

    Der Schiffer steht und stösst
    das Boot mit dem Ruder. Er hält, er winkt.
    Aber es ist
    zu hell und du fällst in den Strandkies.
    05Im November ists Zwielicht, die Blätter
    der Bäume sind fahl, bedeckt
    vom Staub eines ganzen
    endlosen Sommers. Wo die Boote
    anlegten, springt eine riesige
    10Welle und reisst
    deine Liebe mit hinab und hinaus // 151
    unter das grosse dunkle Laken Tod,
    das man zwischen den Felsen aus-
    gebreitet. So wird das 
    15Winterrequiem langsam
    vorbereitet. Die Badehütten
    sind schon weggeräumt und die
    Boote bis an die Felsen
    zurückgezogen. Oben sind sie
    20verbrannt und fast kahl und so
    bereit für die
    Feier, welche die Nächte 
    des Dezember und des Januar mit schrecklichem, // 152
    lautem Pomp erfüllen wird. Doch ich fliehe
    25vorher, bevor die letzten
    halbreifen Orangen zögern zu fallen,
    bevor die gierige rote Blüte sich an den Wänden
    zutode geküsst hat. Die letzten
    Küsse füg ich hinzu zu den roten
    30glühenden Küssen, die über die Mauern
    überall stürzen. Die Wolken
    kommen heute hervor aus dem Hinterhalt<,>
    sie zerbrechen, zerschellen an den Gebirgen, 
    die schweigen und giessen 
    35ihren Missmut aus. Die Strand- // 153
    schuhe sind dafür nicht
    gemacht und brauchen zum Trocknen drei Tage.
    Das todblaue
    Meer will nichts mehr ertragen, seine
    40Sommergeduld ist erschöpft, wir fliehen
    rückwärts hinweg durch die Felsen.
    Noch einmal
    hör ich das Hupen. Es gellt in den Kurven,
    es gellt wieder, verkündet
    45den Winter. Der Schiffer fährt mit der Lambretta
    die letzten Fische
    hinauf zur Chiesa Nuova. Dort bleibt er und baut // 154
    ein kleines Haus für den Winter, zu-
    sammen mit Vater und Brüdern. Wir fahren
    50und schlafen heut nacht,
    das hängt von den Zugverbindungen ab,
    im Bett in Rom oder vielleicht bloss in Neapel.
    Unsere Küsse hängen
    Blüten rot herab überall über die
    55Mauern. Ein paar Orangen
    sind grün, und sie werden
    nicht fallen, und niemand
    wird sie pflücken.

  • Elegie (A)

    Manuskripte 1961 — Entstanden: 22. März 1961

    Der Bootsmann steht
    auf der Treppe, er winkt<,>
    das Licht wirft mich in den Strandkies.
    Im Grellicht des Novembers
    05sind die Blätter der Bäume
    fahl und bedeckt
    vom Staub eines ganzen
    Sommers. Eine riesige
    Welle springt
    10und reisst das Boot unter das dunkle
    Laken, das man für das Requiem Winter
    zwischen den Felsen
    ausgelegt hat. Die wenigen Wiesen // 02
    sind kahl gebrannt und bereit für die Feier, welche
    15die Dezembernächte, die Januarnächte
    erfüllen wird mit schrecklichem, lautem
    Pomp. Ich fahre
    eher. Die Wolken
    kommen hervor aus dem Hinterhalt
    20und giessen
    ihren Missmut aus an den Felsen, von welchen
    die Küsse in Dolden
    immer noch hängen und brennen.
    Die Strandschuhe sind
    25nicht für den Regen gemacht und brauchen
    zum Trocknen drei Tage.
    Die Sommergeduld des
    Meers ist erschöpft.
    Der Bootsmann fährt mit der Lambretta // 03
    30hinauf zur Chiesa Nuova.
    Ich fahre, solang noch die grünen
    Orangen die niemand
    pflückt, zögern zu fallen.

    Ich fahre, ich höre
    35in den Felsen, von welchen die Küsse
    in Dolden hängen und brennen,
    das Echo,
    das Echo, das Echo der Hupe.

  • Elegie (B)

    Manuskripte 1961 — Entstanden: 11. Mai 1961

    Der Bootsmann winkt
    von der Treppe. Das Licht des Novembers
    ist grell und wirft mich in den Strandkies.
    Im Grellicht des Novembers
    05sind die Blätter der Bäume
    fahl und bedeckt
    vom Staub eines ganzen
    Sommers. Die Welle
    springt und reisst das Boot unter
    10das Laken, das man für das Requiem Winter
    zwischen den Felsen
    ausgelegt hat. Die wenigen Wiesen
    sind braun und bereit für die Feier, // 05
    die die Dezember-
    15die Januarnächte erfüllen
    wird mit schrecklichem, lautem
    Pomp. Ich fahre eher.
    Die Wolken
    kommen hervor aus dem
    20Hinterhalt und erbrechen
    sich an den Felsen, von denen
    die Küsse in Dolden
    hängen und sengen und brennen.
    Die Stoffschuhe sind
    25nicht für den Regen gemacht und brauchen
    zum Trocknen drei Tage. // 06
    Die Geduld des Meers ist erschöpft, es
    rüttelt am Felsen.
    Der Bootsmann fährt mit der Lambretta
    30hinauf zur Chiesa Nuova.
    Ich fahre, solang noch die grünen
    Orangen, die niemand
    pflückt, zögern zu fallen.
    Ich fahre, ich höre
    35in den Felsen, von denen die Küsse
    hängen in Dolden und sengen 
    und brennen, das Echo,
    das Echo,
    Echo, Echo der Hupe

  • Elegie (C)

    Manuskripte 1961 — Entstanden: 20. Juni 1961

    Der Bootsmann winkt
    von der Treppe. Das Licht des Novembers
    ist grell und wirft mich in den Strandkies.
    Im Grellicht des Novembers
    05sind die Blätter der Bäume
    fahl und bedeckt
    vom Staub des ganzen
    Sommers. Die Welle
    springt und reisst das Boot unter
    10das Laken, das man für das Requiem Winter
    zwischen den Felsen
    ausgelegt hat. Die wenigen Wiesen
    sind braun und bereit für die Feier,
    die die Dezember- 
    15die Januarnächte erfüllen
    wird mit schrecklichem, lautem
    Pomp. Ich fahre eher.
    Die Wolken
    kommen hervor aus dem
    20Hinterhalt und erbrechen
    sich an die Felsen, von denen
    die Küsse in Dolden
    hängen und sengen und brennen.
    Die Stoffschuhe sind
    25nicht für den Regen gemacht und brauchen
    zum Trocknen drei Tage.
    Die Geduld des Meers ist erschöpft, es
    rüttelt am Felsen.
    Der Bootsmann fährt mit der Lambretta // 07v
    30hinauf zur Chiesa Nuova.
    Ich fahre, solang noch die grünen
    Orangen die niemand
    pflückt, zögern zu fallen.
    Ich fahre, ich höre
    35in den Felsen, von denen die Küsse
    hängen in Dolden und sengen
    und brennen, das Echo
    das Echo,
    Echo, Echo der Hupe.

  • ELEGIE

    Typoskripte 1961 — Entstanden: 1961

    Der Bootsmann winkt
    von der Treppe. Das Licht des Novembers
    ist grell und wirft mich in den Strandkies.
    Im Grellicht des Novembers
    05 sind die Blätter der Bäume
    fahl und bedeckt
    vom Staub des ganzen
    Sommers. Die Welle
    springt und reisst das Boot unter
    10 das Laken, das man für das Requiem Winter
    zwischen den Felsen
    ausgelegt hat. Die wenigen Wiesen
    sind braun und bereit für die Feier,
    die die Dezember-,
    15 die Januarnächte erfüllen
    wird mit schrecklichem, lautem
    Pomp. Ich fahre eher.
    Die Wolken
    kommen hervor aus dem
    20 Hinterhalt und erbrechen
    sich an die Felsen, von denen die Dolden
    hängen und sengen und brennen.
    Die Stoffschuhe sind
    nicht für den Regen gemacht und brauchen
    25 zum Trocknen drei Tage.
    Die Geduld des Meers ist erschöpft, es
    rüttelt am Felsen.
    Der Bootsmann fährt mit der Lambretta
    hinauf zur Chiesa Nuova. // 01v
    30 Ich fahre, solang noch die grünen
    Orangen die niemand
    pflückt, zögern zu fallen.
    Ich fahre, ich höre
    in den Felsen, von denen die Dolden
    35 hängen und sengen und brennen, das Echo;
    das Echo,
    Echo, Echo der Hupe.