Dem Gedächtnis einer Freundschaft
Synopse
-
Dem Gedächtnis einer Freundschaft. / An B. K.
Typoskripte Hochstrasser — Entstanden: 16. Juli 1943Denkst du noch der
Morgengärten
unserer ersten,
helleren Sommer?
05Weisst du noch, wie
damals wir klirrten
hell im Harnisch
und im Helme
unserer Hoffnung
10durch den dämmernd
weithin verlornen
Wald der Gefühle?Dort erbauten
unsere Träume
15wiegende Brücken
über der Wasser
schäumende Stürze.
Und in Höhlen
schlugen wir Riesen als
20lachende Sieger.Weisst du noch, wie
einst wir spürten
Hand in Hand
unserer Flügel
25kühnes Wachstum,
wie unser Atem
eins war den Winden des
offenen Himmels?Dass wir jetzt noch
30pochenden Herzens
Einheit erführen
aller Dinge,
Einheit wie damals,
als die Wasser
35droben am Himmel
und die Wasser
an der Erde,
übergegossen aus
kreisenden Becken,
40mischten sich immer die
einen den andern.Aber es wuchs der
Mittag der Trennung
über den Bergen
45leuchtend empor.
Da zerrann das
grüne Weben
heimlicher Wälder
schnell im Lärm der
50heissen Plätze,
wo die Menschen
wägen und zahlen. // 02Du aber eiltest
vorzulenken
55deinen Wagen
über den Trotz der
widrigen Steine
und geschickte
Bahn dir zu brechen
60durch die verworrene
Not der Leute,
dass so allen
wachse ein Gutes.Mir aber blieb im
65Herzen ein Heimweh
nach den Bächen
meines Frühlings.
Nimmer wusste ich
Kluges zu schaffen
70auf den hohen
Bühnen der Städte.
Heimwärts fliehe ich
immer ins Weite,
wo noch keiner
75Grenzen erfunden
und zu singen,
kindlich zu sagen,
jedem erlaubt.Da, mein Lieber,
80will ich stehen,
an den Rändern
deiner Strasse,
glücklich staunend,
wenn du hinfährst,
85sicher leitend,
hoch im Wagen.
Und wir sehn uns
eine Weile
fröhlich an,
90froh und traurig,
denkend unsrer
wogenden Freundschaft,
wie sich alles
ändert und wandelt,
95dass der Reigen
dieses Lebens
schön zu Ende
werde getanzt.
Aber innen, im
100innersten Garten
bleibt und blüht
stets eine Treue. -
Dem Gedächtnis einer Freundschaft. / An B. K.
Typoskripte Thomas Raeber — Entstanden: 16. Juli 1943Denkst du noch der
Morgengärten
unserer ersten,
helleren Sommer?
05Weisst du noch, wie
damals wir klirrten
hell im Harnisch
und im Helme
unserer Hoffnung
10durch den dämmernd
weithin verlornen
Wald der Gefühle?Dort erbauten
unsere Träume
15wiegende Brücken
über der Wasser
schäumende Stürze.
Und in Höhlen
schlugen wir Riesen als
20lachende Sieger.Weisst du noch, wie
einst wir spürten
Hand in Hand
unserer Flügel
25kühnes Wachstum,
wie unser Atem
eins war den Winden des
offenen Himmels?Dass wir jetzt noch
30pochenden Herzens
Einheit erführen
aller Dinge,
Einheit wie damals,
als die Wasser
35droben am Himmel
und die Wasser
an der Erde,
übergegossen aus
kreisenden Becken,
40mischten sich immer die
einen den andern.Aber es wuchs der
Mittag der Trennung
über den Bergen
45leuchtend empor.
Da zerrann das
grüne Weben
heimlicher Wälder
schnell im Lärm der
50heissen Plätze,
wo die Menschen
wägen und zahlen. //Du aber eiltest
vorzulenken
55deinen Wagen
über den Trotz der
widrigen Steine
und geschickte
Bahn dir zu brechen
60durch die verworrene
Not der Leute,
dass so allen
wachse ein Gutes.Mir aber blieb im
65Herzen ein Heimweh
nach den Bächen
meines Frühlings.
Nimmer wusste ich
Kluges zu schaffen
70auf den hohen
Bühnen der Städte.
Heimwärts fliehe ich
immer ins Weite,
wo noch keiner
75Grenzen erfunden
und zu singen,
kindlich zu sagen,
jedem erlaubt.Da, mein Lieber,
80will ich stehen,
an den Rändern
deiner Strasse,
glücklich staunend,
wenn du hinfährst,
85sicher leitend,
hoch im Wagen.
Und wir sehn uns
eine Weile
fröhlich an,
90froh und traurig,
denkend unsrer
wogenden Freundschaft,
wie sich alles
ändert und wandelt,
95dass der Reigen
dieses Lebens
schön zu Ende
werde getanzt.
Aber innen, im
100innersten Garten
bleibt und blüht
stets eine Treue. -
Dem Gedächtnis einer Freundschaft. / An B.K.
Typoskripte 1943-46 — Entstanden: 16. Juli 1943Denkst du noch der
Morgengärten
unserer ersten,
helleren Sommer?
05Weisst du noch, wie
damals wir klirrten
hell im Harnisch
und im Helme
unserer Hoffnung
10durch den dämmernd
weithin verlornen
Wald der Gefühle?Dort erbauten
unsere Träume
15wiegende Brücken
über der Wasser
schäumende Stürze.
Und in Höhlen
schlugen wir Riesen als
20lachende Sieger.Weisst du noch, wie
einst wir spürten
Hand in Hand
unserer Flügel
25kühnes Wachstum,
wie unser Atem
eins war den Winden des
offenen Himmels?Dass wir jetzt noch
30pochenden Herzens
Einheit erführen
aller Dinge,
Einheit wie damals,
als die Wasser
35droben am Himmel
und die Wasser
an der Erde,
übergegossen aus
kreisenden Becken,
40mischten sich immer die
einen den andern.Aber es wuchs der
Mittag der Trennung
über den Bergen
45leuchtend empor.
Da zerrann das
grüne Weben
heimlicher Wälder
schnell im Lärm der
50heissen Plätze,
wo die Menschen
wägen und zahlen. // 02Du aber eiltest
vorzulenken
55deinen Wagen
über den Trotz der
widrigen Steine
und geschickte
Bahn dir zu brechen
60durch die verworrene
Not der Leute,
dass so allen
wachse ein Gutes.Mir aber blieb im
65Herzen ein Heimweh
nach den Bächen
meines Frühlings.
Nimmer wusste ich
Kluges zu schaffen
70auf den hohen
Bühnen der Städte.
Heimwärts fliehe ich
immer ins Weite,
wo noch keiner
75Grenzen erfunden
und zu singen,
kindlich zu sagen,
jedem erlaubt.Da, mein Lieber,
80will ich stehen,
an den Rändern
deiner Strasse,
glücklich staunend,
wenn du hinfährst,
85sicher leitend,
hoch im Wagen.
Und wir sehn uns
eine Weile
fröhlich an,
90froh und traurig,
denkend unsrer
wogenden Freundschaft,
wie sich alles
ändert und wandelt,
95dass der Reigen
dieses Lebens
schön zu Ende
werde getanzt.
Aber innen, im
100innersten Garten
bleibt und blüht
stets eine Treue.