Das inwendige Licht

Synopse

  • Das inwendige Licht …*

    Notizbuch 1955-57 — Entstanden: 12. Oktober 1955

    „Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet,
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden“,
    auch durch
    die Lichter des Lampenladens
    in der Vorstadtladenstrasse.
    Durch den Weg zwischen den dunk-
    len Gärten komme ich herein
    und sehe ihn von ferne in der Reihe der vielen
    Läden, die sich, aufgeputzte
    05Flitterkönige, Goldfüllungen in die gefallenen
    Fassaden der Villen eingenistet, 
    eingefressen haben. // 006
    Durch die sinnliche Erfahrung dieser
     Läden, und vor allem dieses
    einen Ladens,
    des Flitterkönigs der den Stern trägt,
    kann das inwendige Licht,
     die alte Gaslampe,
    der grell sum-
    mende Bienenkorb, geweckt werden.
    10Das tröstet mich vielleicht, aber
    hält mich nicht ab, 
    unfreundlich zur Verkäuferin im 
    Lampenladen zu sein, 
    die mir keine hohen roten Schirme für meine // 007
    Appliquen verkaufen kann,
    die nach oben fast in eine Spitze auslaufen,
    sondern nur solche aus gelbem Pergament
    mit grünen Zierstreifen und Goldrand, 
    wie man sie überall findet.
    15„Ich glaubte einmal, dass die Wahrheit im
    Dunkeln gesucht werden müsse,
    aber sie ruft draussen in den Gassen“
    sogar dieser langweiligen Vorstadt, wo die
    Hochbahn die Leute, die Geld haben 
    nach den Strassen im Zentrum trägt zu
    Prediger und Co.,
    die alle Arten von Schirmen haben, nicht nur rote, // 008
    wie ich sie hier nicht bekomme, 
    sondern sogar solche mit über 
    die ganze Fläche verteilten Löchern 
    20 Und im Dunkel der Gärten finde ich 
    zwar eine alte Gaslampe hie und da
    und einen Mann drunter, der nach weiss
    ich nicht was ungeduldig ausschaut.
    Aber hier finde ich nicht wie an der
    Vorstadtstrasse pergamen-
    tene Schirme mit grünen Streifen
    und nicht wie die reichen Leute an <der>
    Hauptstrasse im Zentrum bei Prediger // 009
    die hohen roten Schirme, die nach oben
    in eine Spitze auslaufen,
    25 ja mehr noch, solche mit über die ganze
    Fläche verteilten Löchern,
    durch die das innere Licht überall durchscheint.

  • Das inwendige Licht (A)

    Manuskripte 1955 — Entstanden: 14. Oktober 1955

    „Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet, 
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden“,
    geweckt werden durch die Lichter des Lampenladens in der Vorstadtladenstrasse,
    woher er heraus auf meinen Weg zwischen den dunklen Gärten ruft,
    05in der Reihe der vielen Goldfüllungen
    im schadhaften Gebiss aus altmodischen Villen
    die grösste Goldfüllung:
    Das inwendige Licht, die alte Gaslampe, grell summender Bienenkorb
    kann geweckt werden.

    Das hindert mich nicht, unfreundlich zur Verkäuferin im Lampenladen zu sein,
    die mir keine hohen roten Schirme für meine Wandlampen verkaufen kann,
    10 sondern nur solche aus gelbem Pergament mit grünen Zierstreifen
    und Goldrand, wie sie jedermann hat.

    Ihre Entschuldigung übertönt das Gewitter der Hochbahn, die die Leute
    ins Zentrum an die Mönckebergsgtrasse,zu Prediger und Co trägt,
    wo man alle Arten von Schirmen findet, nicht nur hohe rote, wie
    ich sie suche, // 02
    sondern sogar solche, aus denen das innere Licht durch über die ganze Fläche
    verteilte Sternlöcher leuchtet.

    Doch wenn ich im Bahnhofbuffet, es ist schon sechs und zu spät zum
    Fahren, die Milchhaut mit dem Löffel zerreisse,
    15 liegt in der Tasse der Bahnsteig und lockt Tamino mit der Flöte, 
    blinde Hunde an und blinde Katzen und blinde
    Greise mit weissen Stäben, 
    denen das Klanglicht der Flöte aufweckt
    das inwendige Licht.

  • Das inwendige Licht (B)

    Manuskripte 1955 — Entstanden: 15. Oktober 1955

    „Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet, 
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden“,
    geweckt durch den Lampenladen in der Ladenstrasse
    der Vorstadt, 
    woher er auf meinen Weg zwischen den dunklen
    Gärten grell herausruft: 
    05die grösste Goldfüllung im Gebiss aus schadhaften Villen
    vermag der alten Gaslampe summendes
    Bienenkorblicht wohl zu wecken. 

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin unfreundlich anzufahren,
    weil sie mir keine hohen roten Schirme für meine Wandlampen hat,
    sondern nur solche aus gelbem Pergament mit grünen Zierstreifen
    und Goldrand, wie man sie auch bei
    Hinz und Kunz findet.

    10 Ihre Entschuldigung übertönt das Gewitter der Hochbahn,
    die mich ins Zentrum zu Prediger u. Co. trüge,
    wo ich alle Arten von Schirmen fände, nicht nur die hohen roten,
    wie ich sie im Augenblick suche,
    sondern sogar solche, aus denen das inwendige Licht durch über die
    ganze Fläche verteilte Sternlöcher leuchtet. // 04

    Aber jetzt ist es schon sechs Uhr, und ich zerreisse im Bahnhofbuffet
    mit dem Löffel die Milchhaut:
    15 da lockt auf dem Bahnsteig tief in der Tasse Tamino 
    die blinden Hunde, die blinden Katzen
    und die blinden Greise mit weissen Stöcken
    und weckt mit dem Klanglicht der Flöte, der Flöte
    ihr dösend inwendiges Licht auf.

  • Das inwendige Licht (B2)

    Manuskripte 1955 — Entstanden: 26. Oktober 1955

    „Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet, 
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden“, 
    geweckt werden durch den lichten Lampenladen in der Ladenstrasse 
    der Vorstadt; 
    er ruft mich von weitem auf meinem Weg zwischen den Gärten, 
    05die grösste Goldfüllung in der Reihe der vielen Goldfüllungen, 
    eingesetzt unten ins Gebiss aus altmodischen Villen. 
    Des inwendigen Lichts alte Gaslampe, grell summender Bienenkorb 
    kann geweckt werden. 

    Das hindert mich nicht, der Verkäuferin mürrisch Missfallen zu zeigen, 
    weil sie mir keine hohen roten Schirme für meine Wandlampen 
    verkaufen kann, 
    sondern nur niedrige aus gelbem Pergament mit grünen Zierstreifen 
    und Goldrand, wie sie jedermann hat. 

    10Ihre Entschuldigung erstickt im Gewitter der Hochbahn, 
    die mich, wenn ich Zeit hätte, in die Mönckebergstrasse trüge, wo 
    man alle Arten von Schirmen findet
    sogar soche, aus denen das innere Licht durch über die ganze Fläche 
    verteilte Sternlöcher leuchtet. // 06

    Doch wenn ich im Bahnhofbuffet triste mit dem Löffel die Milchhaut 
    zerreisse, 
    liegt darunter der Bahnsteig wo aus den Zügen, den Pissoirs und vor 
    den Treppen Tamino 
    15blinde Hunde und blinde Katzen und blinde Greise mit weissen
    Stäben, anlockt: 
    und allen weckt das Klanglicht der Flöte das inwendige Licht auf.

  • Das inwendige Licht (C)

    Manuskripte 1955 — Entstanden: 28. Oktober 1955

    „Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet, 
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden“, 
    geweckt durch den Lampenladen in der Ladenstrasse der Vorstadt: 
    schon von weitem bleckt er mir auf meinen Weg durch die Gärten;
    05die grellste Goldfüllung in der Reihe der vielen, 
    die unten ins Gebiss aus altmodischen Villen eingesetzt sind, 
    vermag der alten Gaslampe summendes Bienenkorblicht zu wecken. 

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin anzubrummen, 
    weil sie mir keine hohen roten Schirme für meine Wandlampen 
    verkaufen kann, 
    10 sondern nur niedrige aus gelbem Pergament mit grünen Zierstreifen 
    und Goldrand, 
    wie sie schliesslich auch Hinz und Kunz haben. 

    Ihre Entschuldigung erstickt unter der Donnerlawine der Hochbahn, 
    die mich, wäre es nicht schon sechs Uhr ins Zentrum trüge, 
    wo man alle Arten von Schirmen findet, 
    15 sogar solche, aus denen das innere Licht durch über die ganze 
    Fläche verteilte Sternlöcher leuchtet. // 08

    Doch wenn ich im Bahnhofbuffet resigniert mit dem Löffel die 
    Milchhaut zerreisse, 
    döst darunter der Bahnsteig, wo aus den Zügen, den Pissoirs und 
    von den Treppen 
    Tamino Hunde anlockt und Katzen und blinde Greise mit weissen 
    Stäben 
    und mit dem Klanglicht der Flöte allen ihr inwendiges Licht weckt.

  • Das inwendige Licht (D)

    Manuskripte 1955 — Entstanden: 08. November 1955

    „Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet, 
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden“, 
    geweckt durch den Lampenladen in der Ladenstrasse der Vorstadt, 
    wenn er mir auf den Weg durch die Gärten schon von weitem
    entgegenbleckt; 
    05diese grellste Goldfüllung in der Reihe der vielen, 
    die unten ins Gebiss aus altmodischen Villen eingesetzt sind, 
    vermag der alten Gaslampen summendes Bienenkorblicht zu wecken. 

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin anzubrummen, 
    weil sie mir keine hohen roten Schirme für meine Wandlampen 
    verkaufen kann, 
    10 sondern nur niedrige aus gelbem Pergament mit grünen Zierstreifen 
    und Goldrand, 
    wie sie nachgerade auch Hinz und Kunz haben. 

    Ihre Entschuldigung erstickt in der Donnerlawine der Hochbahn, 
    die mich, wäre es nicht schon sechs Uhr ins Zentrum brächte, 
    wo man alle Arten von Schirmen findet, 
    15 sogar solche, aus denen das innere Licht durch über die ganze Fläche 
    verteilte Sternlöcher leuchtet. // 10

    Dafür zertrümmert mein Löffel, wenn ich resigniert im Bahnhofbuffet 
    die Milch umrühre, 
    aus Versehen zugleich mit der Haut das Glasdach des Bahnsteigs, 
    wo eben Tamino aus den Zügen, aus den Pissoirs und von den Treppen 
    Hunde und Katzen und blinde Greise mit weissen Stäben anlockt 
    20 und mit dem Klanglicht der Flöte allen ihr dösendes Licht weckt.

  • Das inwendige Licht (E)

    Manuskripte 1955 — Entstanden: 26. November 1955

    „Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet, 
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden“, 
    geweckt durch den Lampenladen in der Ladenstrasse der Vorstadt, 
    wenn er mir schon von weitem auf den Weg durch die Gärten 
    entgegenbleckt; 
    05diese grellste Goldfüllung in der Reihe der vielen, 
    die unten ins Gebiss aus altmodischen Villen eingesetzt sind, 
    vermag der alten Gaslampe summendes Bienenkorblicht zu wecken. 

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin anzubrummen, 
    weil sie mir keinen hohen roten Schirme für meine Wandlampen 
    verkaufen kann, 
    10 sondern nur niedrige aus gelbem Ölpapier mit grünen Zierstreifen 
    und Goldrand, 
    wie sie nachgerade auch Hinz und Kunz haben. 

    Ihre Entschuldigung erstickt unter der Donnerlawine der Hochbahn, 
    die mich, wäre es nicht schon sechs Uhr, ins Zentrum brächte, 
    wo man alle Arten von Schirmen findet, 
    15 sogar solche, aus denen das innere Licht durch wohlverteilte 
    Sternlöcher leuchtet. // 12

    Dafür zertrümmert mein Löffel, 
    wenn ich resigniert im Bahnhofbuffet die Milch umrühre, 
    zugleich mit der Haut aus Versehen das Glasdach des Bahnsteigs, 
    wo eben Tamino aus den Pissoirs und von den Treppen 
    20 Hunde und Katzen und blinde Greise mit weissen Stäben anlockt 
    und mit den Funken der Flöte allen ihr dösendes Licht weckt.

  • Das inwendige Licht (F)

    Manuskripte 1955 — Entstanden: 12. Dezember 1955

    „Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet, 
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden“, 
    geweckt durch den Lampenladen der Vorstadtstrasse, 
    wenn er mir schon von weitem auf dem Weg durch die Gärten
    entgegenbleckt; 
    05diese grellste Goldfüllung in der Reihe der vielen, 
    die unten ins Gebiss aus altmodischen Villen eingesetzt sind, 
    vermag das summende Bienenkorblicht der alten Gaslampe zu wecken. 

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin anzubrummen, 
    weil sie mir keine hohen roten Schirme für meine Wandlampen 
    verkaufen kann, 
    10 sondern nur niedrige aus gelbem Ölpapier mit grünen Zierstreifen 
    und Goldrand, 
    wie sie nachgerade auch Hinz und Kunz haben. 

    Ihre Entschuldigung erstickt unter der Donnerlawine der Hochbahn, 
    die mich, wäre es nicht schon sechs Uhr, ins Zentrum brächte, 
    wo man alle Arten von Schirmen findet, 
    15 sogar solche, aus denen das inwendige Licht durch wohlverteilte 
    Sternlöcher leuchtet. // 14

    Dafür zertrümmert mein Löffel, 
    wenn ich resigniert im Bahnhofbuffet die Milch umrühre, 
    zugleich mit der Haut aus Versehen das Glasdach des Bahnsteigs, 
    wo eben Tamino von den Treppen und aus dem Pissoir Hunde und 
    Katzen 
    20 und blinde Greise mit schwarzäugigen gelben Armbinden anlockt 
    und mit den Funken der Flöte allen ihr inwendig dösendes Licht weckt.

  • Das inwendige Licht (Variationen über ein Thema von Leibniz) (G)

    Manuskripte 1955 — Entstanden: 17. Dezember 1955

    "Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet,
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden", 
    geweckt durch den Lampenladen an der Geschäftsstrasse der Vorstadt, 
    der mir schon von weitem entgegenbleckt auf den Weg durch die Gärten: 
    05diese grellste Goldfüllung in der Reihe der vielen, 
    die ins Gebiss aus altmodischen Villen unten eingesetzt sind, 
    vermag das summende Bienenkorblicht der alten Gaslampe zu wecken. 

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin anzubrummen, 
    weil sie mir keine hohen roten Schirme für meine Wandlampe verkaufen kann, 
    10 sondern nur niedrige aus gelbem Oelpapier mit grünen Zierstreifen und 
    Goldrand, 
    wie sie nachgerade auch Hinz und Kunz haben. 

    Ihre Entschuldigung erstickt unter der Donnerlawine der Hochbahn, 
    die mich, wäre es nicht schon sechs Uhr, ins Zentrum brächte, 
    wo man alle Arten von Schirmen findet, 
    15 sogar solche, aus denen das inwendige Licht durch wohlverteilte Sternlöcher 
    leuchtet

    Dafür zertrümmert mein Löffel, 
    wenn ich resigniert im Bahnhofbuffet die Milch umrühre, 
    aus Versehen zugleich mit der Haut das Glasdach des Bahnsteigs, 
    wo eben Tamino von den Treppen und aus den Pissoirs die Katzen 
    20 und die Hunde mit ihren blinden Greisen anlockt 
    und mit den Funken der Flöte allen ihr inwendig dösendes Licht weckt.

  • Das inwendige Licht (Variationen über ein Thema von Leibniz) (J)

    Manuskripte 1955 — Entstanden: 1955

    "Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet,
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden", 
    geweckt durch den Lampenladen an der Ladenstrasse der Vorstadt, 
    der mir schon von weitem entgegenbleckt auf den Weg durch die Gärten: 
    05diese grellste Goldfüllung in der Reihe der vielen, 
    die ins Gebiss aus altmodischen Villen unten eingesetzt sind, 
    vermag das summende Bienenkorblicht der alten Gaslampe zu wecken. 

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin anzubrummen, 
    weil sie mir für meine Wandlampe keine hohen roten Schirme verkaufen
    kann, 
    10 sondern nur niedrige aus gelbem Oelpapier mit grünen Zierstreifen und 
    Goldrand, 
    wie sie nachgerade auch Hinz und Kunz haben. 

    Ihre Entschuldigung erstickt unter der Donnerlawine der Hochbahn, 
    die mich, wäre es nicht schon sechs Uhr, ins Zentrum brächte, 
    wo man alle Arten von Schirmen findet, 
    15 sogar solche, aus denen das inwendige Licht durch wohlverteilte
    Sternlöcher leuchtet. 

    Dafür zertrümmert mein Löffel, 
    wenn ich resigniert im Bahnhofbuffet die Milch umrühre, 
    zugleich mit der Haut aus Versehen das Glasdach des Bahnsteigs, 
    wo eben Tamino die Katzen und die Hunde mit ihren blinden Greisen 
    20 von den Treppen und aus den Pissoirs anlockt 
    und mit den Funken der Flöte allen ihr inwendig dösendes Licht weckt.

  • Das inwendige Licht (Variationen über ein Thema von Leibniz) (H)

    Manuskripte 1955 — Entstanden: 1955

    "Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet,
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden", 
    geweckt durch den Lampenladen an der Ladenstrasse der Vorstadt, 
    der mir schon von weitem entgegenbleckt auf den Weg durch die Gärten: 
    05diese grellste Goldfüllung in der Reihe der vielen, 
    die ins Gebiss aus altmodischen Villen unten eingesetzt sind, 
    vermag das summende Bienenkorblicht der alten Gaslampe zu wecken. 

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin anzubrummen, 
    weil sie mir für meine Wandlampe keine hohen roten Schirme verkaufen kann, 
    10 sondern nur niedrige aus gelbem Oelpapier mit grünen Zierstreifen und
    Goldrand, 
    wie sie nachgerade auch Hinz und Kunz haben. 

    Ihre Entschuldigung erstickt unter der Donnerlawine der Hochbahn, 
    die mich, wäre es nicht schon sechs Uhr, ins Zentrum brächte, 
    wo man alle Arten von Schirmen findet, 
    15 sogar solche, aus denen das inwendige Licht durch wohlverteilte Sternlöcher 
    leuchtet. 

    Dafür zertrümmert mein Löffel, 
    wenn ich resigniert im Bahnhofbuffet die Milch umrühre, 
    zugleich mit der Haut aus Versehen das Glasdach des Bahnsteigs, 
    wo eben Tamino von den Treppen und aus den Pissoirs 
    20 die Katzen und die Hunde mit ihren blinden Greisen anlockt 
    und mit den Funken der Flöte allen ihr inwendig dösendes Licht weckt.

  • Das inwendige Licht (Variationen über ein Thema von Leibniz)

    Typoskripte 1955 — Entstanden: 1955

    "Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet,
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden",
    geweckt durch den Lampenladen an der Ladenstrasse der Vorstadt,
    der mir schon von weitem entgegenbleckt auf den Weg durch die Gärten:
    05 diese grellste Goldfüllung in der Reihe der vielen,
    die ins Gebiss aus altmodischen Villen unten eingesetzt sind,
    vermag das summende Bienenkorblicht der alten Gaslampe zu wecken.

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin anzubrummen,
    weil sie mir für meine Wandlampe keine hohen roten Schirme verkaufen
    kann, 
    10 sondern nur niedrige aus gelbem Oelpapier mit grünen Zierstreifen
    und Goldrand, 
    wie sie nachgerade auch Hinz und Kunz haben.

    Ihre Entschuldigung erstickt unter der Donnerlawine der Hochbahn,
    die mich, wäre es nicht schon sechs Uhr, ins Zentrum brächte,
    wo man alle Arten von Schirmen findet,
    15 sogar solche, aus denen das inwendige Licht durch wohlverteilte
    Sternlöcher leuchtet. 

    Dafür zertrümmert mein Löffel,
    wenn ich resigniert im Bahnhofbuffet die Milch umrühre,
    zugleich mit der Haut aus Versehen das Glasdach des Bahnsteigs,
    wo eben Tamino die Katzen und Hunde mit ihren blinden Greisen
    20 von den Treppen und aus den Pissoirs anlockt
    und mit den Funken der Flöte allen ihr inwendig dösendes Licht weckt.

     

  • Das inwendige Licht

    Verstreutes — Publiziert: Juni 1956

    (Variation über ein Thema von Leibniz)

    «Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet,
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden»,
    geweckt durch den Lampenladen an der Ladenstraße der Vorstadt,
    der mir schon von weitem entgegenbleckt auf den Weg durch
    die Gärten:
    05 diese grellste Goldfüllung in der Reihe der vielen,
    die ins Gebiß aus altmodischen Villen unten eingesetzt sind,
    vermag das summende Bienenkorblicht der alten Gaslampe zu wecken.

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin anzubrummen,
    weil sie mir für meine Wandlampe keine hohen roten Schirme
    verkaufen kann,
    10 sondern nur niedrige aus gelbem Ölpapier mit grünen Zierstreifen
    und Goldrand,
    wie sie nachgerade auch Hinz und Kunz haben.

    Ihre Entschuldigung erstickt unter der Donnerlawine der Hochbahn, 
    die mich, wäre es nicht schon sechs Uhr, ins Zentrum brächte,
    wo man alle Arten von Schirmen findet,
    15 sogar solche, aus denen das inwendige Licht durch wohlverteilte
    Sternlöcher leuchtet.

    Dafür zertrümmert mein Löffel,
    wenn ich resigniert im Bahnhofbuffet die Milch umrühre,
    zugleich mit der Haut aus Versehen das Glasdach des Bahnsteigs,
    wo eben Tamino die Katzen und Hunde mit ihren blinden Greisen
    20 von den Treppen und aus den Pissoirs anlockt
    und mit den Funken der Flöte allen ihr inwendig dösendes Licht weckt.

  • DAS INWENDIGE LICHT

    Die verwandelten Schiffe 1957 — Publiziert: 1957

    Variationen über ein Thema von Leibniz

    «Das inwendige Licht, das Gott selbst in uns anzündet,
    kann durch die sinnliche Erfahrung der Welt geweckt werden»,
    geweckt durch den Lampenladen an der Ladenstraße der Vorstadt,
    der mir schon von weitem entgegenbleckt auf den Weg durch die
    Gärten:
    05 diese grellste Goldfüllung in der Reihe der vielen,
    die ins Gebiß aus altmodischen Villen unten eingesetzt sind,
    vermag das summende Bienenkorblicht der alten Gaslampe zu
    wecken.

    Das hindert mich nicht, die Verkäuferin anzubrummen,
    weil sie mir für meine Wandlampe keine hohen roten Schirme
    verkaufen kann,
    10 sondern nur niedrige aus gelbem Ölpapier mit grünen Zierstreifen
    und Goldrand,
    wie sie nachgerade auch Hinz und Kunz haben.

    Ihre Entschuldigung erstickt unter der Donnerlawine der
    Hochbahn,
    die mich, wäre es nicht schon sechs Uhr, ins Zentrum brächte,
    wo man alle Arten von Schirmen findet,
    15 sogar solche, aus denen das inwendige Licht durch wohlverteilte
    Sternlöcher leuchtet. // 53

    Dafür zertrümmert mein Löffel,
    wenn ich resigniert im Bahnhofbuffet die Milch umrühre,
    zugleich mit der Haut aus Versehen das Glasdach des Bahnsteigs,
    wo eben Tamino die Katzen und Hunde mit ihren blinden Greisen
    20 von den Treppen und aus den Pissoirs anlockt
    und mit den Funken der Flöte allen ihr inwendig dösendes Licht
    weckt.