Andante für Egeria

Synopse

  • Andante für Egeria (A'*)

    Manuskripte 1954 — Nicht datiert! . . . (März 1954 *)

    Doch heute, ohne Sehnsucht, während
    ich dich als eine Ikone in meiner Brieftasche halte, 
    folge ich mit unglaublichem Vergnügen 
    der grünen Bahn einer Luftschlange, 
    05aus der Hand eines Knaben geschossen, 
    unbeweglich auf Mittelhöhe des Schlaraffenbaumes, 
    begnügt so zu bleiben. Die rosige Luft, 
    die sich in seinem Hemd sammelt, hat 
    die Vesperstunde nach und nach auf den ganzen Hügel 
    10 gegossen. Ein Truthahn kräht seine Korallen, 
    der Rauch auf den Dächern scheint davon zu zittern 
    Nonnen, ohne Zöglinge ausgegangen, stehen 
    auf einem Absturz wie Ziegen: verlorene Antlitze 
    auf verlorenen Blumen verbeugt.

  • Andante für Egeria / Giorgio Orelli (A)

    Manuskripte 1954 — Entstanden: 07. März 1954

    Doch heute, ohne Begehren, dich tragend
    wie eine Ikone in meiner Brieftasche, 
    folge ich mit unglaublichem Gefallen 
    der grünen Sternbahn 
    05des Bandes, 
    das hinausschoss die Hand eines Knaben: 
    fest sitzt er auf Märchenbaums (?) 
    halber Höhe und bleibt dort 
    zufrieden. Die rosige Luft 
    10 die sich sammelt in seinem Hemd, 
    der Abend hat sie mählich, allmählich 
    hingegossen über die Gänze des Hügels. 
    Kräht ein Truthahn seine Korallen, der Rauch 
    scheint davon zu zittern auf den Dächern. Nonnen, ausgegangen 
    15 ohne die Zöglinge, stehn 
    über einem Felshang wie Ziegen: verlorne Gesichter 
    gebeugt über verlorene Blumen.

  • Andante für Egeria / Giorgio Orelli (B)

    Manuskripte 1954 — Entstanden: 08. März 1954

    Doch heute, ohne Begehren, tragend dich
    wie eine Ikone in der Brieftasche, 
    folge ich mit unglaublichem Gefallen 
    der grünen Sternbahn der Schlange, 
    05die hinausschoss die Hand eines Knaben: 
    fest sitzt er auf Klettermasts 
    halber Höhe, vollauf zufrieden 
    dort zu sein. Die rosige Luft, 
    die sich sammelt in seinem Hemd, 
    10 der Abend hat sie mählich, allmählich 
    hingegossen über den ganzen Hügel. 
    Kräht ein Truthahn seine Korallen, der Rauch, 
    es scheint, dass er zittre davon auf den Dächern.
    Nonnen, ausgegangen 
    15 ohne die Zöglinge, stehn 
    über einem Felshang wie Ziegen: verlorne Gesichter 
    gebeugt über verlorene Blumen.

  • Andante für Egeria / Giorgio Orelli (C)

    Manuskripte 1954 — Entstanden: 09. März 1954

    Doch heut, ohne Begehren, trag ich dich
    in der Brieftasche als einen Ikon
    und folge mit unglaublichem Gefallen 
    der grünen Sternbahn der Schlange, 
    05die hinausschoss die Hand eines Knaben: 
    fest sitzt er auf Klettermasts 
    halber Höhe, vollauf dort zufrieden. 
    Die rosige Luft, die sich sammelt in seinem Hemd, 
    die Vesperstunde hat sie mählich, allmählich 
    10 hingegossen über den ganzen Hügel. 
    Kräht ein Truthahn seine Korallen, der Rauch, 
    es scheint, dass er zittre davon auf den Dächern. 
    Nonnen, ausgegangen ohne die Zöglinge, stehn 
    über einem Felshang wie Ziegen: verlorne Gesichter 
    15 gebeugt über verlorene Blumen.

  • Giorgio Orelli. Andante für Egeria

    Verstreutes — Publiziert: 1958

    Doch heute, ohne Begehren, trage ich dich
    in der Brieftasche als ein Ikon
    und folge mit unglaublichem Gefallen 
    der grünen Sternbahn der Schlange, 
    05die die Hand eines Knaben hinausschoß: 
    fest sitzt er auf Klettermasts 
    halber Höhe, vollauf dort zufrieden. 
    Die rosige Luft, die sich sammelt in seinem Hemd, 
    die Vesperstunde hat sie mählich, allmählich 
    10 hingegossen über den ganzen Hügel. 
    Kräht ein Truthahn seine Korallen, scheint es,
    daß der Rauch auf den Dächern zittert davon. 
    Nonnen, ausgegangen ohne die Zöglinge, stehn 
    über einem Felshang wie Ziegen: verlorne Gesichter,
    15 gebeugt über verlorene Blumen.